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FAQ

In den nachfolgenden FAQs finden Sie Fragen, die zur Nutzung der Windenergie immer wieder gestellt werden. Die aufgeführten Antworten legen die Fakten dar und versachlichen somit die Diskussionen rund um die Energiewende.

Was versteht man unter der sog. 10 H-Regelung?
Im November 2014 ist in Bayern die „10 H-Regelung“ in Kraft getreten. Nach Art. 82 Abs. 1 BayBO sind Windenergieanlagen im Außenbereich nunmehr nur privilegiert nach § 35 Abs. 1 Nr. 5 BauGB, wenn sie einen Mindestabstand vom Zehnfachen ihrer Höhe zu Wohngebieten einhalten. Eine Unterschreitung dieses gesetzlichen Mindestabstandes ist nur möglich, wenn ein Bebauungsplan besteht, der geringere Abstände festsetzt. Mit der „10 H-Regelung“ soll ein angemessener Interessenausgleich zwischen den Anforderungen der Energiewende und den Interessen der örtlichen Wohnbevölkerung geschaffen werden.

Bayerisches Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr (StMI):
Anwendungshinweise zur 10 H-Regelung
Wie viel Strom erzeugt eine Windenergieanlage?
Das hängt natürlich von der Größe der Anlage und den Windverhältnissen ab.

Moderne Windenergieanlagen haben eine installierte Leistung von 2,5 MW.
Nach einer Abschätzung des Bundesverbands Windenergie kann bei den in Bayern üblichen Windverhältnissen für moderne Anlagen mit ca. 1.950 Volllaststunden gerechnet werden. Daraus ergibt sich ein durchschnittlicher Jahresertrag von 4.875 MWh, Strom für mehr als 1.200 Drei-Personen-Haushalte.
Warum werden in meiner Region keine Vorbehalts- bzw. Vorranggebiete für Windenergie angezeigt?
Die Regionalpläne mit den Vorbehalts- und Vorranggebieten für Windenergie in Bayern werden von den 18 Regionalen Planungsverbänden aufgestellt. Solange sich die Pläne in der Überarbeitung/Fortschreibung befinden, können im Energie-Atlas keine Vorbehalts- bzw. Vorranggebiete für Windenergie angezeigt werden. Nur rechtlich verbindliche Regionalplaninhalte werden dargestellt.

Weitere Informationen erhalten Sie bei den Regionalen Planungsverbänden.

Bayerisches Staatsministerium der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat (StMFLH):
Übersicht: Regionale Planungsverbände in Bayern
Wie genau sind die Windgeschwindigkeiten, die im Bayerischen Windatlas angegeben werden?
Die Windgeschwindigkeiten, die im Bayerischen Windatlas angegeben werden, wurden mit einem meteorologischen Modell berechnet. An vielen Orten sind die Angaben der Windgeschwindigkeiten mit Windmessungen bestätigt worden. Dies ist ausreichend für eine erste, grobe Planung.

Die Berechnungen können aber keinesfalls eine umfassende Standortanalyse inkl. Windgutachten (Erhebung von Windmessdaten über min. 12 Monate direkt am geplanten Standort) ersetzen, um einen Standort letztendlich als geeignet für die Windenergienutzung zu beurteilen.
Wie viele Windräder ersetzen ein Kernkraftwerk?
Die beiden Kraftwerksarten lassen sich nur bedingt vergleichen, da Kernkraftwerke im Normalfall rund um die Uhr zur Verfügung stehen (sog. Grundlastkraftwerke), während Windenergieanlagen je nach Windlage unterschiedlich viel Strom erzeugen.

Eine rechnerische Abschätzung lässt sich über die bereitgestellte Strommenge vornehmen:
Die bayerischen Kernkraftwerke haben eine Nettoleistung von ca. 1.300 MW (je Anlage). Bei einer Verfügbarkeit von rund 90 % ergibt sich eine Strommenge von mehr als 10.000 GWh für eine Anlage jährlich.

Moderne Windenergieanlagen haben eine installierte Leistung von 2,5 MW. Für diese Anlagen können in Bayern ca. 2.000 Volllaststunden angesetzt werden, d.h. im Jahr werden 5.000 MWh Strom erzeugt. Demnach benötigt man etwa 2.000 moderne Windenergieanlagen, um so viel Strom zu erzeugen wie ein Kernkraftwerk.

Setzt man die Durchschnittswerte der bestehenden Windenergieanlagen in Bayern (1,4 MW installierte Leistung, 1.600 Volllaststunden) an, benötigt man ca. 4.500 Windenergieanlagen als Ersatz für ein Kernkraftwerk.
Welche Rolle spielt Infraschall bei der Windenergie?
Da die von Windenergieanlagen erzeugten Infraschallpegel in der Umgebung deutlich unterhalb der Hör- und Wahrnehmungsgrenzen liegen, können nach heutigem Stand der Wissenschaft Windenergieanlagen beim Menschen keine schädlichen Infraschallwirkungen hervorrufen.
Gesundheitliche Wirkungen von Infraschall (< 20 Hertz) sind erst in solchen Fällen nachgewiesen, in denen die Hör- und Wahrnehmbarkeitsschwelle überschritten wurde. Nachgewiesene Wirkungen von Infraschall unterhalb dieser Schwellen liegen nicht vor.

Nähere Informationen zum Thema Infraschall und Windenergieanlagen finden Sie hier:
Umweltaspekte - Infraschall

Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Infraschall finden Sie auch hier beantwortet:
Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW):
Fragen und Antworten zum Thema Windenergie und Schall/Infraschall

Übrigens: Weitere Infraschallquellen sind beispielsweise LKWs, Flugzeuge, Lautsprecherboxen, rüttelnde und stampfende Maschinen und sogar Meeresbrandung. Wenn Sie mit der Hand Luft in Ihr Gesicht wedeln, erzeugen Sie selbst Infraschall, allerdings mit einem sehr geringen Schalldruckpegel.
Was ist der sogenannte Disco-Effekt?
Der Disco-Effekt (unterbrochene Lichtreflexion am drehenden Rotor) trat bei älteren Windenergieanlagen auf, deren Rotorblätter mit glänzenden Lackierungen behandelt wurden. Er stellt heutzutage aufgrund der matten Beschichtung der WEA kein Problem mehr dar und bedarf keiner weiteren Prüfung.
Wie kann ich abschätzen, ob ich vom Schattenwurf einer in der Nachbarschaft geplanten Windenergieanlage betroffen sein werde?
Die Bewegung der Rotoren von Windenergieanlagen (WEA) führt zu einem bewegten
Schattenwurf, der mit dem Sonnenstand wandert. Der Schattenwurf tritt nur bei klarem
Himmel und damit direktem Sonnenschein auf – der bewegte Schattenwurf nur dann,
wenn sich zusätzlich die Rotoren drehen, also Wind weht. Dieser Schattenwurf kann
Anwohner einer Windenergieanlage belästigen.

Simulation Schattenwurf
Das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) hat eine Simulation zum Schattenwurf einer WEA entwickelt, die folgende Fragen beantwortet:
Wie lang ist der Schatten einer WEA in Abhängigkeit vom Tages- und Jahreslauf der Sonne?
Welche Bereiche im Umfeld einer WEA sind vom Schattenwurf betroffen?
Wann ist jeder einzelne Ort in der Umgebung einer WEA beschattet?
(Ein Klick auf das Bild startet die Simulation.)


Nachfolgende Publikation informiert Sie über die Funktionsweise und Ergebnisse der Simulation.
Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU):
Erläuterungen zur Schattensimulation von Windkraftanlagen

Eine Schattenwurfsimulation für Ihren Standort können Sie mit der 3D-Analyse von Windrädern durchführen.
Zur 3D-Analyse von Windrädern im Kartenteil

In der gemeinsamen Publikation des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU) und des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) „Windenergie in Bayern“ finden Sie weitere ausführliche Informationen zu diesem Thema (Seite 6 ff). Die darin gezeigten Diagramme veranschaulichen qualitativ die vom Schattenwurf betroffenen Bereich sowie die Verschattungszeiten im Umfeld einer Windenergieanlage.

Die wesentlichen Ergebnisse auf einen Blick:
Nördlich der Schattengrenze Winter tritt niemals Schatten auf.
Südlich der Schattengrenze Sommer tritt niemals ein bewegter Schatten auf.
Im Osten und Westen ab einem Abstand von – abhängig von der Höhe der Windenergieanlage (150 m bis 200 m) – über 1000 m bis 1400 m wird der Schatten immer diffuser und wird nicht mehr wahrgenommen.
Südlich einer Windenergieanlage ist zu keiner Jahres- und Tageszeit Schatten zu sehen.
Der Schatten einer Windenergieanlage befindet sich während der überwiegenden Tageszeit im Nahbereich der Anlage (< 800 m): Winter: 10:15 bis 14:05 Uhr, Frühjahr und Herbst: 7:40 bis 16:55 Uhr, Sommer: 5:55 bis 18:35 Uhr (MESZ).
Im Umkreis von 800 m einer Windenergieanlage befindet sich in den meisten Fällen keine Wohnbebauung, so dass der Schatten in diesem Bereich selten zu einer Belästigung führt.
Im Norden einer Windenergieanlage ist nur im Bereich von 300 m bis 700 m – je nach Höhe der Anlage (150 m bis 200 m) – ein bewegter Schattenwurf wahrnehmbar.
Der Schatten in den verbleibenden Bereichen – im Osten und Westen der WKA – tritt bei tief stehender Sonne am Morgen und Abend auf. Dieser Bereich wird innerhalb von ca. einer Stunde in den Morgen- und Abendstunden (im Winter vormittags und nachmittags) durchschritten.
Die Verschattung an einem einzelnen Ort in diesem Bereich tritt nur entweder morgens oder abends auf.
Falls ein einzelner Ort von der Verschattung betroffen ist, tritt die Verschattung wegen des spezifischen Jahresverlaufes der Sonne nicht jeden Tag, sondern nur an einzelnen Tagen im Jahr auf.

Abschaltautomatik
Laut Länderausschuss für Immissionsschutz gelten Beschattungszeiten von maximal 30 Stunden pro Kalenderjahr und maximal 30 Minuten pro Tag als nicht erheblich belästigend. Führt der Betrieb einer oder mehrerer Windenergieanlagen an einem einzelnen Immissionsort (z. B. Wohnhaus, Terrasse) zu längeren Beschattungszeiten, werden diese Anlagen z. B. mit einer Abschaltautomatik versehen.
Das bedeutet, eine elektronische Regelung (Schattenwurfmodul) berechnet laufend, ob die Windenergieanlage einen Schatteneffekt gemäß der theoretischen Schattenwurfprognose an den umliegenden Gebäuden erzeugen kann. Falls die oben genannten maximalen Beschattungszeiten an einem betroffenen Ort technisch überschritten sind, wird die Windenergieanlage angehalten.

Es gibt auch Schattenwurfmodule, die darüber hinaus meteorologische Parameter berücksichtigen, wie die Bewölkung. In diesem Fall wird für die Abschaltung der Rotoren die tatsächliche Beschattungsdauer auf 30 Minuten pro Tag und acht Stunden pro Kalenderjahr begrenzt.