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Ein Diagramm, daneben stehen die Wörter Zahlen, Daten, Fakten. Hintergrundbild: Nahaufnahme einer bewegten Wasseroberfläche (Quelle: photobars - Fotolia.com)

Daten und Fakten

Bayern ist ein traditionelles Wasserkraftland. Bereits 1890 wurde in Bad Reichenhall als erstes bayerisches Elektrizitätswerk ein Wasserkraftwerk in Betrieb genommen. Hier finden Sie Zahlen rund um die Wasserkraft in Bayern.

In den letzten Jahren stellte die Wasserkraft mit rd. 12,5 Mrd. kWh (langjähriger Mittelwert) einen Anteil zwischen 13 und 16 Prozent an der Bruttostromerzeugung in Bayern. Damit können rechnerisch rund 4 Millionen bayerische Haushalte mit Strom versorgt werden. Somit ist das Wasser der zweitbedeutendste erneuerbare Energieträger Bayerns. Bis auf abflussbedingte Schwankungen ist das Stromdargebot aus Wasserkraft relativ konstant, Wasserkraft stellt damit im Vergleich zu anderen erneuerbaren Energien einen hohen Anteil gesicherter Leistung zur Verfügung.

Wasserkraft im Vergleich

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Anteile der Energieträger an der Bruttostromerzeugung in Bayern 2020.
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Anteile der Energieträger an der Bruttostromerzeugung aus erneuerbaren Energien in Bayern 2020.

Im Jahr 2020 wurde in Bayern 11,1 Mrd. kWh Strom aus Wasserkraft erzeugt. Damit betrug der Anteil an der Bruttostromversorgung in Bayern 14,7 %, der Wasserkraftanteil an den erneuerbaren Energien bei der Stromerzeugung knapp ein Drittel.

Zahlen 2020

Beitrag der Wasserkraft zur Energieversorgung in Bayern * Strom aus Wasserkraft (absolut) Anteil an allen erneuerbaren Energieträgern Anteil an allen Energieträgern
Primärenergieverbrauch (Schätzung) 44.691 TJ 11,7 % 2,6 %
Bruttostromerzeugung 11,1 Mrd. kWh 28,1 % 14,7 %

* ohne Pumpwasserkraftwerke
Daten: StMWi (2021): Energiedaten.Bayern – Schätzbilanz. Daten bis zum Jahr 2020, LfStat (2021): Stromversorgung und -verbrauch

Als Primärenergie wird jene Energie bezeichnet, die in den natürlich vorkommenden Energieträgern wie z. B. Biomasse, Erdöl, Erdgas, Kohle etc. enthalten ist, ohne dass der Energieträger einem Umwandlungsprozess unterzogen wurde. Da bei der Wasserkraft die eingesetzte Energie nicht gemessen werden kann, wird in der Statistik der Primärenergieverbrauch von Wasserkraftnutzung mit der erzeugten Energie gleichgesetzt. In der Bruttostromerzeugung ist der Eigenverbrauch der Kraftwerke im Gegensatz zur Nettostromerzeugung enthalten. Dieser Eigenverbrauch liegt bei Wasserkraftwerken im Durchschnitt bei weniger als 1 Prozent.

Übersichtstabelle – Wasserkraftwerke in Bayern 2020

Die folgende Tabelle bietet einen Überblick über die Größenverteilung der Wasserkraftwerke und ihren jeweiligen Beitrag zur Stromversorgung.

Wasserkraftwerke in Bayern 1) bis 100 kW 100 kW bis unter 1 MW 1 bis unter 10 MW ab 10 MW Gesamt
Anzahl der Anlagen 3.439 526 159 61 4.185
Elektrische Leistung [MW] 2) 88 159 606 1.545 2.398
Erzeugte Strommenge [Mio. kWh] 3) pro Jahr 286 623 2.778 7.437 11.124
Versorgung von ... Haushalten * 90.000 190.000 870.000 2,3 Mio. 3,5 Mio.
Erzeugte Strommenge je Einwohner [kWh] pro Jahr 21 48 211 566 847

1) ohne Pumpspeicherkraftwerke
2) Bei Anlagen, bei denen die elektrische Leistung nicht bekannt ist, wird die Ausbauleistung verwendet.
3) Bei Anlagen, bei denen die erzeugte Strommenge unbekannt ist, wird diese berechnet.
* gemittelter Jahresstromverbrauch eines Durchschnitts-Haushalts von 3.200 kWh
Quelle: Bayerisches Landesamt für Umwelt (Stand: 2021)

  • Bemerkenswert ist die große Anzahl an Kleinstwasserkraftwerken mit weniger als 100 kW Leistung. Mehr als 80 % der Anlagen liefern nur 3 % der Strommenge. Die kleinen Erzeuger können dennoch lokal bedeutsame Stromlieferanten sein und bieten eine sichere Einnahmequelle für oftmals kleine oder mittelständige Unternehmen.
  • Von Großer Wasserkraft spricht man in Bayern bei einer Ausbauleistung von mehr als 1 Megawatt. Die größten Anlagen mit mehr als 10 MW (< 2 % der Anlagen) erbringen dabei rund zwei Drittel der Jahresarbeit. Diese Kraftwerke befinden sich bis auf wenige Ausnahmen im Besitz großer Energiekonzerne.
  • Wichtig für die regionale Stromversorgung sind aber auch die Kraftwerke der mittleren Größe von 100 kW bis unter 10 MW. Die Eigentumsverhältnisse sind sehr unterschiedlich. Etliche dieser Kraftwerke befinden sich in kommunalem Besitz.

Beispielwasserkraftwerk

Aufgrund der Verschiedenartigkeit der Wasserkraftanlagen gibt es kein „typisches Wasserkraftwerk“. Für den Vergleich mit anderen Energieträgern finden Sie im Folgenden Daten für ein fiktives neu gebautes Wasserkraftwerk, wie es zum Beispiel regionale Energieversorger bauen könnten. Insbesondere die Kosten hängen dabei mehr als bei anderen Energieträgern von den natürlichen Gegebenheiten (Fallhöhe, Wasserdurchfluss, Untergrund) ab. Die unten genannten Daten sind lediglich Richtwerte.

Laufwasserkraftwerk (Beispiel)  
Installierte Leistung 800 kW
Strommenge 3,2 Mio. kWh / Jahr
Investitionskosten 5.000.000 € (6.250 € / kW)
Betriebskosten (jährlich) 40.000 € (50 € / kW)
Stromgestehungskosten 9,5 ct / kWh
Energetische Amortisation * ca. 1 – 2 Jahre

* Die energetische Amortisationszeit gibt an, in welcher Zeit das Kraftwerk die Energiemenge abgegeben hat, die zu seiner Herstellung benötigt wurde.
Quellen: Bayerisches Landesamt für Umwelt, Landeswasserkraftwerke, Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme

Entwicklung

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Die Grafik stellt die Entwicklung der Bruttostromerzeugung aus Wasserkraft in Bayern von 1950 bis 2020 dar. (Quelle: Bayerisches Landesamt für Umwelt)

Die Wasserkraft hat in Bayern lange Tradition. Bis in die 1920er Jahre konnte der gesamte Strombedarf durch Wasserkraftwerke gedeckt werden. Seitdem wurden viele kleine Wasserkraftwerke stillgelegt und die Wasserkraft hat durch die verstärkte Nutzung anderer Quellen zur Stromerzeugung immer weiter an Bedeutung verloren. Gleichwohl wurde weiterhin in die Wasserkraft investiert und auch neue, bis in die 1990er Jahre vor allem größere, Kraftwerke gebaut. Trotz des Rückgangs der Anzahl von 11.900 Wasserkraftwerken im Jahr 1926 auf heute rund 4.300 hat die jährlich produzierte Strommenge in den letzten 50 Jahren zugenommen. Auffällig sind die Schwankungen zwischen einzelnen Jahren. Sie haben ihre Ursache hauptsächlich in der witterungsbedingt wechselhaft zur Verfügung stehenden Wassermenge.

Zukunft

Gemäß dem Bayerischen Energieprogramm vom Oktober 2015 soll im Jahr 2025 der Anteil der Wasserkraft 23 bis 25 % an der Bruttostromerzeugung in Bayern betragen. Dazu sollen bestehende Wasserkraftwerke modernisiert und / oder nachgerüstet werden. Wenn an bestehenden Querbauten neue Wasserkraftwerke errichtet werden, soll besonders auf die Natur- und Umweltverträglichkeit der Anlagen geachtet werden.

Der Kartenteil des Energie-Atlas Bayern zeigt Ihnen die installierte Stromleistung (MW) aus Wasserkraft pro Landkreis bzw. Stadt und pro Regierungsbezirk.