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Naturschutz

Durch geeignete Trassenwahl können größere Zielkonflikte mit Naturschutzbelangen von vorneherein vermieden werden. Mögliche Beeinträchtigungen sind v. a. bei größeren Vogelarten möglich. Freileitungen können auch das Landschaftsbild naturnaher Landschaften und historischer Kulturlandschaften beeinträchtigen, Erdkabel dagegen Boden und Wasserhaushalt.

Schutzgebiete und gesetzlicher Biotopschutz

Die Errichtung von Stromleitungen ist in folgenden Gebieten in der Regel nicht zulässig:

  • Nationalparks
  • Naturschutzgebiete
  • Kernzonen von Biosphärenreservaten
  • flächenhafte Naturdenkmäler und geschützte Landschaftsbestandteile (Maststandorte)
  • gesetzlich geschützte Biotope (Maststandorte)

In europäischen Vogelschutzgebieten ist die Errichtung unzulässig, wenn Erhaltungsziele erheblich beeinträchtigt werden können. Dies wird im Regelfall anzunehmen sein. In Fauna-Flora-Habitat(FFH)-Gebieten ist die Errichtung von Stromleitungen möglich, soweit die Erhaltungsziele nicht erheblich beeinträchtigt werden.
In anderen Gebieten, die eine große Bedeutung für Natur und Landschaft besitzen, ist im Einzelfall zu entscheiden, ob die Auswirkungen auf Natur und Landschaft vertretbar sind. Zu diesen sensibel zu behandelnden Gebieten gehören z. B. Landschaftsschutzgebiete, Naturparks, sonstige für die Vogelwelt besonders bedeutsame Gebiete (z. B. Wiesenbrütergebiete und Zugvogelrastgebiete), besonders attraktive Landschaften und Erholungsgebiete.

Eingriffsregelung

Die Errichtung von Stromleitungen ist regelmäßig als Eingriff im Sinne von §14 BNatSchG zu werten, da Naturhaushalt und Landschaftsbild erheblich beeinträchtigt werden können.
Die naturschutzrechtliche Eingriffsregelung sieht vor, vermeidbare Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft zu unterlassen und unvermeidbare Beeinträchtigungen auszugleichen (Kompensation). Durch eine entsprechende Trassenwahl können größere Zielkonflikte mit dem Naturschutz von vornherein vermieden werden.

Auswirkung von Freileitungen auf den Artenschutz

Vor allem größere Vogelarten wie Störche, Gänse, Watvögel, Reiher und Greifvögel, aber auch Singvogelschwärme, sind infolge der Kollision mit Leiter- und Erdseilen gefährdet. Betroffene Räume sind insbesondere Feuchtgebiete und für den Vogelzug bedeutsame Tal- und Rastbereiche. Das Gefährdungspotential erhöht sich generell bei schlechten Sichtverhältnissen.
Bei nicht vermeidbaren Querungen solcher Bereiche sind besondere Markierungsmaßnahmen an den Seilen und Masten erforderlich, um die Kollisionsgefahr verringern zu können. Für Mittelspannungsleitungen schreibt § 41 BNatSchG vor, Masten und technische Bauteile konstruktiv so auszuführen, dass Vögel gegen Stromschlag geschützt sind.

Wegen der vertikalen Struktur der hohen Masten werden auch störempfindliche Brutvögel des Offenlandes wie z. B. Kiebitz und Feldlerche von den Leitungen beeinträchtigt. Im Rahmen der speziellen artenschutzrechtlichen Prüfung (saP) ist zu klären, ob und in welchem Umfang die Zugriffsverbote (hier v. a. Tötungs- und Störungsverbot) nach § 44 Abs. 1 BNatSchG erfüllt sind.

Auswirkungen auf Landschaftsbild, Kulturlandschaft und Erholungsfunktion

Besonders sensibel gegenüber technischen Großstrukturen sind kleinteilige naturnahe Landschaften und historisch gewachsene Kulturlandschaften von hoher Eigenart.

In Waldbereichen verursachen beide Leitungstypen geradlinige Schneisen, im Offenland können Lebensräume durch Freileitungen optisch zerschnitten werden. Gemäß §1 Abs. 5 BNatSchG sollen u. a. Energieleitungen „landschaftsgerecht geführt, gestaltet und so gebündelt werden, dass die Zerschneidung und die Inanspruchnahme der Landschaft sowie Beeinträchtigungen des Naturhaushalts vermieden oder so gering wie möglich gehalten werden“. Innovative Farbanstriche bei Masten oder deren künstlerische Gestaltung könnten in Teilabschnitten die optische Belastung mildern.

Bei Erdleitungen entfällt das visuelle Problem weitgehend. Durch die Freihaltung der Trassen von Gehölzen bleibt bei Durchquerung von Waldgebieten jedoch die Schneisenwirkung erhalten, was sich ggf. auf besonders charakteristische Landschaftsbilder nachteilig auswirken kann. Während der Bauarbeiten sind die Auswirkungen und Beeinträchtigungen durch das Ausheben der Gräben und den Baustellenverkehr intensiver als bei Freileitungen. Außerdem müssen zur Kompensierung des Blindstroms alle 5 bis 40 Kilometer kleine Stationshäuschen errichtet werden.

Auswirkungen auf Bodenhaushalt und Grundwasser

Die Flächeninanspruchnahme von Freileitungsmasten ist gering. Beim Bau von Erdkabeln werden Boden- und Wasserhaushalt beeinflusst. Hier ist die Eingriffsintensität im Bereich der bis zu 20 Meter breiten und ca. 1,7 bis 2 Meter tiefen Leitungstrassen deutlich höher als bei Freileitungen. Wird der Leitungsgraben fachlich korrekt ausgehoben und wiederverfüllt, können dauerhafte Auswirkungen auf Boden und Wasserhaushalt weitgehend vermieden werden.

Allerdings muss im Baubereich der Trasse aufgrund des unumgänglichen Einsatzes schwerer Baufahrzeuge (die Kabeltrommeln wiegen bis zu 40 Tonnen) mit langfristig anhaltenden Bodenverdichtungen gerechnet werden. Die Trassen selbst müssen durchgängig und dauerhaft von tief wurzelnden Gehölzen freigehalten werden.

Links und Downloads

Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie (StMWi):
Taskforce Netzausbau Bayern
Bundesnetzagentur:
Internetseite "Mensch und Umwelt"
Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz:
Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege