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Bauen und Sanieren

Duschen, Baden, Heizen: Täglich benötigen wir in unseren vier Wänden Wärme – und die Energiekosten steigen stetig. Für viele sind die Energiekosten schon die "zweite Miete" oder Abzahlrate. Erfreulich ist: Bis zu 90 % des Wärmeverbrauchs können durch energieeffizientes Bauen oder eine hochwertige Sanierung eingespart werden.

Rund 40 % des deutschen Energieverbrauchs und etwa ein Drittel aller CO2-Emissionen entstehen im Gebäudebereich. Dabei spielt neben dem Strom vor allem Wärme eine wichtige Rolle – ganze 85 Prozent des durchschnittlichen Energieverbrauchs im Haushalt entfallen auf die Wärmeversorgung. Das macht das energetische Bauen und Sanieren zu einem Schlüsselthema: Es spart Wärme, schont den Geldbeutel und das Klima. Wer einen Neubau plant, setzt deshalb am besten auf den sparsamen Passivhaus-Standard. Und wer in einem bestehenden Gebäude lebt, sollte die energetische Sanierung so früh wie möglich in Angriff nehmen, um bald von den Einsparungen profitieren zu können.

Überblick: Das ist wichtig beim Bauen und Sanieren

Energieeffizientes Zuhause: Wo stehen wir, was ist machbar?
Heizenergieverbräuche bestehender Wohngebäude sind sehr unterschiedlich.

Anschaulich werden sie als "Liter Heizöl pro Quadratmeter (m2) Wohnfläche im Jahr" angegeben. Übliche Werte sind:
Einfamilienhaus Baujahr vor 1980: circa 30 Liter
Gedämmtes Einfamilienhaus mit aktueller Heizungstechnik: circa 10 Liter
Verbrauchsoptimiert saniertes Einfamilienhaus mit kontrollierter Lüftung: circa 3 Liter
Neubau nach Passivhausstandard: circa 1,5 Liter

Gebäude der Zukunft zeichnen sich durch folgende energierelevante Elemente aus:
Hochwärmegedämmte Hülle ohne Wärmebrücken
Zugluftfreie (= möglichst luftdichte) Konstruktion
Kontrollierte Belüftung mit Wärmerückgewinnung
Passive Nutzung von Solarwärme sowie Nutzung der Abwärme von Personen und Geräten

Energiewende schaffen mit dem Energie-3-Sprung

Indem man sein Zuhause baulich effizient gestaltet, bringt man die Energiewende ein gutes Stück voran. Zudem: Bewohner von energetisch sanierten Häusern sind sehr zufrieden mit den umgesetzten Effizienzmaßnahmen und loben die hohe Wohnqualität.

Die dauerhafte und wirkungsvolle Reduktion der CO2-Emissionen ist das Ziel der Energiewende – das ist der große Sprung, die Herausforderung, die wir meistern wollen und müssen. Damit das gelingt, ist es wichtig, die Energie-Maßnahmen klug aufeinander abzustimmen. Das Leitmotiv des Energie-Atlas Bayern ist deshalb der "Energie-3-Sprung":
1. Sprung: Energiebedarf senken
2. Sprung: Energieeffizienz steigern
3. Sprung: Erneuerbare Energien ausbauen
Neubau und Sanierung: Wichtige Tipps
Allgemein gilt, sowohl bei Sanierung als auch bei Neubau:
Holen Sie mehrere Angebote ein. Finger weg von billigen Angeboten, denn Qualität hat beim Bauen und Sanieren immer ihren Preis!
Bei der Dämmstärke ruhig "dick auftragen". Die Mehrkosten dafür sind vergleichbar gering, die Heizkostenersparnis dagegen enorm.
Die Bauüberwachung sollten Sie sowohl bei der Sanierung als auch beim Neubau einem Bausachverständigen überlassen, der u. a. während der Ausführung vor Ort ist und die einzelnen Arbeitsschritte kontrolliert. Im Trubel der Sanierung oder des Neubaus brauchen Sie jemanden, der insbesondere auf die gewerksübergreifenden Schnittstellen achtet und einen kühlen Kopf bewahrt. Die Bauüberwachung wird von der KfW gefördert (siehe Linkliste unten).

Energetische Sanierung: Die Reihenfolge macht`s!
Mit "Sanierung" ist hier energetische Sanierung und damit folgendes gemeint: Austausch der Fenster, Dämmen der Gebäudehülle, idealerweise zusätzlich Dämmen der Kellerdecke und des Dachs, Erneuerung der Heizungsanlage.
Zu Beginn der Planung einer energetischen Sanierung sollte der Zustand des Hauses von einem Energieberater beurteilt werden. Die Energieberatung wird von der Bundesanstalt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) gefördert. Bei der weiteren Planung sollten Sie einen Bausachverständigen mit Schwerpunkt im Bereich energetische Sanierung zu Rate ziehen (siehe Expertensuche der Deutschen Energie-Agentur, Linkliste unten).
Zuerst sollte das Dach oder, bei ungenutztem Dachspitz, die oberste Decke gedämmt werden. Das kann man in den meisten Fällen vergleichsweise einfach und kostengünstig umsetzen.
Dann sollten die Fenster ausgetauscht werden. Dabei ist es wichtig, auf eine 3-Scheiben-Verglasung und einen breiten Fensterrahmen zu achten, damit dieser später richtig überdämmt werden kann. Idealerweise sollten gleichzeitig mit dem Fenstertausch die Außenwände gedämmt werden. Falls die Fenster und die Außenwände nicht parallel saniert werden können, ist es empfehlenswert, Fenstertausch und Fassadendämmung in einem möglichst geringen zeitlichen Abstand durchzuführen.
Danach ist es sinnvoll, eine Lüftungsanlage einzubauen. Denn schon mit neuen Fenstern ist das Gebäude so dicht, dass kaum noch ein unkontrollierter Luftaustausch über undichte Bauteile stattfindet. Für ein angenehmes Wohnklima sollte jedoch die Luft im Gebäude regelmäßig ausgetauscht werden.
Nun kann die Heizungsanlage erneuert werden. Denn nach Abschluss der Maßnahmen eins bis drei ist der Wärmebedarf des Hauses bereits viel geringer als vor der Sanierung. Jetzt reicht auch eine kleinere Heizung mit weniger Leistung aus.
Achtung: Dies ist eine von mehreren Möglichkeiten, schrittweise und doch effizient zu sanieren. Vor Beginn der Sanierungen sollte zusammen mit einem Planungsbüro überprüft werden, welches Vorgehen für das individuelle Objekt sinnvoll ist.
Die Energiesparverordnung: Was gesetzlich zu beachten ist
Seit 1. Mai 2014 gilt die Energieeinsparverordnung (EnEV 2014). Sie setzt die EU Gebäuderichtlinie von 2010 (Richtlinie 2010/31/EU) um. Die EnEV 2014 verschärft den Energiestandard für Neubauten seit 2016 und fordert Nachrüstung im Bestand. Die wichtigsten Neuerungen im Vergleich zur EnEV 2009 sind:

Vorgaben Neubauten
Verringerung des Jahres-Primärenergiebedarfs der neu gebauten Wohn- und Nichtwohngebäude um 25 Prozent (seit 1. Januar 2016).
Ebenfalls seit Januar 2016: Verbesserung der Wärmedämmung der Gebäudehülle um 20 Prozent (Wärmedurchgangskoeffizient).
Ab 2019 gilt für alle öffentlichen Gebäude und ab 2021 für alle Neubauten der von der EU geforderte Niedrigstenergie-Gebäudestandard. Nach der EU-Gebäuderichtlinie 2010 ist ein Niedrigstenergiegebäude ein Gebäude, das eine sehr gute Gesamtenergieeffizienz aufweist. Der Energiebedarf des Gebäudes muss sehr gering sein und soll, soweit möglich, zu einem ganz wesentlichen Teil durch Energie aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden. Für die betreffenden Gebäude müssen die EU-Mitgliedsländer die Vorgaben für den Niedrigstenergie-Gebäudestandard bis zum 31.12.2018 formuliert haben.

Vorgaben Bestehende Gebäude
Heizkessel, die mit flüssigen oder gasförmigen Brennstoffen betrieben werden und nach dem 01. Januar 1985 eingebaut wurden, müssen nach 30 Jahren außer Betrieb genommen werden. Wurden die entsprechenden Heizkessel vor 1985 eingebaut, dürfen diese schon seit 2015 nicht mehr betrieben werden. Ausnahmen gelten für Niedertemperatur- und Brennwertkessel sowie für bestimmte selbstnutzende Ein- und Zweifamilienhauseigentümer. Im Falle eines Eigentümerwechsels muss der neue Hauseigentümer diesen innerhalb von 2 Jahren austauschen. Dies gilt dann, wenn die Kosten für den neuen Kessel in angemessener Zeit durch die Einsparungen gedeckt werden.
Oberste Geschossdecken müssen seit Ende 2015 gedämmt sein, wenn sie nicht die Anforderungen an den Mindestwärmeschutz erfüllen.

Energieausweis
Verkäufer und Vermieter von Immobilien sind künftig verpflichtet, den Energieausweis an Käufer bzw. Mieter zu übergeben. Der Energieausweis muss bereits bei der Besichtigung vorgelegt werden.
Energetische Kennwerte (Endenergiebedarf) müssen im Falle des Verkaufs oder der Vermietung in Immobilienanzeigen angegeben werden. Liegt ein Energieausweis mit Energieeffizienzklasse vor, ist es Pflicht, die entsprechende Einstufung zu veröffentlichen.
Neuskalierung des Bandtachos im Energieausweis für Wohngebäude bis 250 kWh/(m2a) und Stärkung der Modernisierungsempfehlungen. Der Bandtacho wird zusätzlich durch Energieeffizienzklassen von A+ bis H ergänzt (siehe Abbildung unten). Diese Zuordnung gilt nur für neu ausgestellte Ausweise.
In Zukunft werden Stichprobenkontrollen der Energieausweise durchgeführt.
So bleibt der Schimmel draußen!
Viele Menschen haben die Befürchtung, dass die Schimmelgefahr steigt, wenn sie ihre Wohnung oder ihr Haus dämmen. Dies ist allerdings ein Irrglaube. Vielmehr ist es so, dass Schimmelbildung mit vielen Aspekten zusammenhängt: Mit der Luftfeuchtigkeit, der Raumlufttemperatur, der Lüftung, dem Heizverhalten, der Wärmedämmung und vielem mehr. Wer einige wichtige Regeln beachtet, kann Schimmel aber leicht vermeiden! Wir haben für Sie die wichtigsten Informationen zusammengestellt:
Ursachen von Schimmelbefall
Tipps zur Vermeidung von Schimmelbefall in der Wohnung
Schimmel: Physikalische Hintergründe

Die vier Kernelemente eines effizienten Gebäudes

Ob Neubau oder Sanierung, die wesentlichen Elemente eines energieeffizienten Gebäudes sind die Dämmung, Heizung, Lüftung und die Fenster. Wenn diese vier Komponenten professionell eingebaut und aufeinander abgestimmt sind, ist das Haus oder Gebäude energieeffizient – wir zeigen Ihnen, worauf es bei diesen Themen ankommt!

Wärmedämmung

Wärmedämmung reduziert den Heizwärmebedarf.
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Fenster mit 3-Scheiben-Verglasung (Quelle: cm photodesign)

Fenster

Fenster mit 3-Scheiben-Verglasung lohnen sich.
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Moderne Flächenheizung (Quelle: vipman - Shutterstock)

Heizung

Der Austausch des Heizsystems kann viel Energie einsparen.
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Richtig lüften spart Energie (Quelle: tarasov_ vl - Fotolia.com)

Lüftung

Lüftungsanlagen sparen viel Energie.
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Bildergalerie: Fakten zum Bauen und Sanieren
  • Die Effizienzlandkarte zeigt die bis 2030 realisierbaren Effizienzpotenziale in Deutschland gegenüber einem Szenario mit eingefrorener Effizienzentwicklung (Quelle: Institut für Energie und Umweltforschung Heidelberg).
  • Jährliche Verluste an Energie (umgerechnet in Heizöl) für 10 m² Wandfläche bei unterschiedlichen Dämmstandards (Werte für Deutschland, Quelle: Energie-Atlas Bayern).
  • Energieeffizienzklassen von Gebäuden nach EnEV 2014. Die Klassen ergeben sich aus dem Endenergiebedarf (kWh/(m² * a)) (Quelle: Bundesgesetzblatt 2013/Nr. 67, 21. Nov. 2013)
  • Entwicklung Energiesparendes Bauen. (Quelle: Fraunhofer Institut für Bauphysik IBP, grafisch verändert durch das Bayerische Landesamt für Umwelt)
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(insgesamt 5 Bilder)

Individuelle Förderung: Das 10.000-Häuser-Programm

Die Bayerische Staatsregierung fördert mit dem 10.000-Häuser-Programm, Programmteil EnergieSystemHaus, die energetische Sanierung eines Ein- oder Zweifamilienhauses oder den Neubau eines energieeffizienten Hauses. Vorausssetzung dabei ist, dass moderne und innovative Heiz-/Speicher-Systeme mit intelligenter Steuerung genutzt werden.

Informationen zum Programmteil EnergieSystemHaus


Links und Downloads

Allgemein
Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU):
Broschüre "Bauen und sanieren für die Zukunft"
Broschüre "Effiziente Energienutzung in Bürogebäuden"
Regierung von Oberbayern:
Infobrief "Energieeffizienz und Bauen"
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB):
Ratgeber: "Energieeffizient bauen und modernisieren"
Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena):
Internetportal "Zukunft Haus"
co2online gGmbH:
Internetportal "Klima sucht Schutz": Modernisieren und Bauen
Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie (StMWi):
48 Merkblätter zum Thema "Energie sparen rund ums Haus"

Passivhaus
Passivhaus Institut:
Internetseite "Passipedia! - Die Passivhaus Wissensdatenbank"
Passivhaus Dienstleistung GmbH:
Passivhaus-Datenbank

Energieberatung, Energieausweis, Energieeinsparverordnung (EnEV)
Verbraucherinformationssystem Bayern (VIS):
Internetseite "Der Energieausweis"
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit:
Internetseite "Novellierung der Energieeinsparverordnung (EnEV)"
Arbeitsgemeinschaft für sparsamen und umweltfreundlichen Energieverbrauch e.V. (ASUE):
Broschüre "EnEV 2014 für Wohngebäude"
Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen:
Internetseite "Energieeinsparverordnung (EnEV)"
Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. (vzbv):
Energieberatung

Expertensuche
Energie-Atlas Bayern:
Wie und wo finde ich fachlich kompetente Energieberater
Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU):
Internetseite "Haus sanieren – profitieren" (für Eigentümer von Ein- oder Zweifamilienhäusern)
Deutsches Energieberater-Netzwerk e. V:
Internetseite "Energieberatung, Planung und Überwachung"

Online-Rechner
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi):
Sanierungskonfigurator
Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena):
Berechnung der Wirtschaftlichkeit von Sanierungsmaßnahmen