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Demonstrationsvorhaben: Mainfrankensäle leisten wichtigen Beitrag zum Klimaschutz

Das durch die TV-Prunksitzung "Fastnacht in Franken" überregional bekannte Veranstaltungszentrum Mainfrankensäle in Veitshöchheim wurde durch die Gemeinde vorbildlich energetisch saniert und im Zuge dessen erweitert.

Projektträger: Gemeinde Veitshöchheim

Projektstandort

Veitshöchheim

Veitshöchheim

Kontakt

Gemeinde Veitshöchheim
Jan Speth
Klimaschutz/Hochbau
Erwin-Vornberger-Platz 1
97209 Veitshöchheim
Tel: (0931) 9802731
j.speth[at]veitshoechheim.de

Nutzen und Kosten

besonders wirkungsvoll – hoher Nutzen für die Umwelt
Starke Nutzung regenerativer Energien, innovative klimafreundliche Haustechnik unter Nutzung der energieneutralen oberflächennahen Geothermie, energiesparende Veranstaltungs- und Beleuchtungstechnik, maximale Nutzung von natürlichem Sonnenlicht, Nachhaltigkeitskonzept der Mainfrankensäle GmbH für den laufenden Betrieb

Nutzen: Aufgrund der fließenden Erweiterung des Bauwerks ist ein Vergleich der Veranstaltungshalle von 1981 (alte Veranstaltungs- und Gebäudetechnik) mit dem sanierten und erweiterten Gebäude (moderne Veranstaltungs- und Gebäudetechnik) nicht möglich. Allein die installierte PV-Anlage hilft, jährlich 33 t CO2-Emissionen einzusparen.

Kosten: Gesamtkosten: 13.550.000 Euro

Förderung: Kredit: 4.200.000 Euro
  Zuschuss: 2.400.000 Euro
  Fördergeber: Freistaat Bayern
Fotos
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Beschreibung

Auslöser
In dem 1981 eröffneten Haus traten mit den Jahren bauliche Unzulänglichkeiten in der räumlichen Organisation, aber auch in der Gebäudetechnik und Baukonstruktion zu Tage. Eine umfangreiche Sanierung und Erweiterung waren unumgänglich. Die Gemeinde Veitshöchheim sah die Möglichkeit, einen besonders nachhaltigen, innovativen Ansatz für das Sanierungs- und Erweiterungsvorhaben zu wählen. So wollte sie ihrer Vorbildfunktion besonders gerecht werden und Anreize für andere Bauvorhaben schaffen. Von 2012 bis Anfang 2015 erfolgte die Modernisierung, Erweiterung und energetische Sanierung des Veranstaltungszentrums.
Durchführung
Bereits im Jahr 2006 hatte der Gemeinderat beschlossen, eine Arbeitskommission aus Mitgliedern der Fraktionen einzusetzen, um ein Zukunftskonzept für die Mainfrankensäle mit Prioritätenliste unter Berücksichtigung technischer, funktioneller, gestalterischer und wirtschaft- licher Aspekte zu erstellen.

Frühzeitige Einbindung von Interessensgruppen

In das Projekt war ein großer Personenkreis eingebunden: Zunächst einmal die Bürgerinnen und Bürger mit ihren Wünschen und Anregungen, die im weiteren Verlauf der Maßnahme auch durch den Gemeinderat vertreten wurden. Zu nennen sind aber auch eine Reihe von Architekten, Fachplanern und Betrieben aus der Region Mainfranken. Auch den Interessen eines im Veran- staltungszentrum ansässigen Gastronomiebetriebs wurde Rechnung getragen.

Förderung als Demonstrationsvorhaben

Wert gelegt wurde bei der Sanierung und Erweiterung nicht nur auf moderne Bühnen-, Medien- und LED-Lichttechnik, sondern auch auf eine energetische Optimierung. Das Projekt wurde vom Freistaat Bayern im Rahmen des CO2-Minderungsprogramms des Bayerischen Landesamtes für Umwelt als Demonstrationsvorhaben gefördert.

Wärme- und Stromversorgung

Der Energiebedarf wird zum einen durch ein gebäudeeigenes Gas-Blockheizkraftwerk mit einer thermischen Leistung von 80 kW und einer elektrischen Leistung von 50 kW abgedeckt. Die Spitzenlastabdeckung übernimmt ein Gas-Brennwertkessel. Des Weiteren hilft die auf einer Teilfläche des Daches errichtete PV-Anlage mit 230 Modulen und einer Nennleistung von 55,2 kWp etwa 33 Tonnen CO2-Emissionen jährlich einzusparen. Das Zusammenspiel von BHKW und PV-Anlage sowie die Gebäudeleittechnik sollen im laufenden Betrieb noch weiter optimiert werden.

Lüften und Kühlen

Ferner verfügt das Veranstaltungszentrum über eine hocheffizienten Lüftungsanlage, die eine Wärmerückgewinnung (Kreuzstrom- und Rotationswärmerückgewinnung) mit über 80 % ermöglicht. Dabei sind Be- und Entlüftung intelligent auf die Nutzung abgestimmt. Die Kühlung des gesamten Gebäudekomplexes erfolgt energieneutral mithilfe von Grundwasser. Für die Grundlastabdeckung wird auf eine vorhandene Brunnenanlage zurückgegriffen: Hier wird Grundwasser und Uferfiltrat entnommen, um dem Wasser über einen Plattenwärmetauscher die Kälte zu entziehen und dieses dann in den Brunnen zurückzuführen. Dies geschieht alles unmittelbar vor Ort mit geringstmöglichem Technikeinsatz und mittels hocheffizienter Pumpen. Die Spitzenabdeckung erfüllt eine Kältemaschine (Rhoss). Die Kühlhäuser in den Mainfrankensälen sind über eine Verbundkühlung verknüpft.

Gebäudehülle

Die Gebäudehülle erhielt eine bis zu 20 Zentimeter starke Außendämmung, die teilweise in Holz-Tafel-Bauweise ausgeführt ist. Sämtliche Fenster wurden gegen dreifach-verglaste Aluminium-Fenster ersetzt. Für die notwendigen Verschattungen kommt ein Raffstore zum Einsatz, der die Verschattung wärmebrücken- und blendfrei ermöglicht. Die Säle können außerdem komplett verdunkelt werden.

Dach und Lichtkuppeln

Die markanten Sheddächer wurden neu eingedeckt, innen gedämmt, brandschutz- und statisch ertüchtigt. Auf dem Flachdach wurde eine 22 cm starke Dämmung verlegt und darauf Edelstahlbahnen gelegt und verschweißt. Große Lichtkuppeln im Flachdach garantieren eine maximale Nutzung des Tageslichts und eine Energieeinsparung durch die Reduzierung der künstlichen Beleuchtung. Präsenzmelder im und um das Gebäude ermöglichen eine intelligente Lichtsteuerung.

Kosten

Teilt man die Kosten auf in Sanierung und Anbau, entfallen ungefähr 2/3 auf die Sanierung des Bestands und 1/3 auf den Neubau. Mehr als die Hälfte der Bausumme von 13,55 Millionen Euro konnte die Gemeinde aus Rücklagen bestreiten. An staatlichen Zuschüssen erhielt die Gemeinde 2,4 Millionen Euro, wobei 2,0 Millionen Euro aus dem Topf der Förderung von öffentlichen touristischen Infrastruktureinrichtungen (RÖFE) stammen. Diese Gelder dienen unter anderem der Finanzierung der Dauerausstellung "Fastnacht in Franken und barocke Bühnenwelt", der multifunktionalen Nutzung des Erweiterungsbaus auch für den Seminar- und Tagungsbereich sowie der Einrichtung eines zeitgemäßen Touristikbüros im Eingangsbereich. Die restlichen 400.000 Euro Fördermittel kommen aus dem CO2-Minderungsprogramm des Freistaates Bayern.

Ausgezeichnete Nachhaltigkeit

Für den laufenden Betrieb der Mainfrankensäle erfolgt einerseits ein fortlaufendes Energiemonitoring, außerdem arbeitet die Mainfrankensäle GmbH gemäß eines eigens entwickelten Nachhaltigkeitsmanagementplans.

2018 wurden die Mainfrankensäle für ihre Nachhaltigkeit mit dem Green Globe Zertifikat ausgezeichnet.

Zitate
Die Einweihung eines neuen Gebäudes ist immer ein auch Zeichen von Aufbruchstimmung und Optimismus, zumal dann, wenn es für den Ort diese Bedeutung hat wie unsere neuen Mainfrankensäle. Die Neugestaltung schafft Möglichkeiten, von denen wir bislang nicht zu träumen gewagt haben. Nutzen wir alle diese und freuen wir uns darüber, dass wir unser hochgestecktes Ziel erreicht haben. (Jürgen Götz, 1. Bürgermeister)
Es wurde nunmehr eine langfristige Investition in die Tat umgesetzt und die Mainfrankensäle für die nächsten 30 Jahre wieder ansprechend und konkurrenzfähig gestaltet. Die Art und Weise der Neugestaltung bzw. deren Planung war ein dynamischer Prozess, der sich ständig weiterentwickelt hat. (Jürgen Götz, 1. Bürgermeister)
Tipps
  • energieneutrale Grundwasser-Gebäudekühlung statt überdimensionierte Kälteanlagen
  • Kombination von PV-Anlage mit Blockheizkraftwerk
  • auch nach Beendigung der Baumaßnahme: Energiemonitoring und Optimierung der Gebäudeleittechnik
Stolpersteine
  • Schadstoffe: Mehrkosten von 300.000 Euro
  • Barrierefreiheit: DIN-gerechter Aufzug erfüllt im Nachgang nicht die gestellten Anforderungen. Deshalb: Großen Aufzug oder Rampe einplanen!
Auszeichnungen
  • 06/2018: Green Globe (Zertifikation für Nachhaltigkeit für Veranstaltungszentren etc.)
    verliehen von: Green Globe, California, U.S.A.
  • 08/2017: fairpflichtet (Nachhaltigkeitskodex der Veranstaltungswirtschaft)
    verliehen von: Europäischer Verband der Veranstaltungs-Centren e.V. (EVVC)
  • 01/2017: "Einfach jetzt machen" (Selbstverpflichtung)
    verliehen von: Bergwaldprojekt e.V.

Beispiel gemeldet:07/2020 

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