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Kommunales Energiemanagement (KEM)

Jede Kommune ist selbst Energieverbraucher und kann durch den Betrieb ihrer eigenen Liegenschaften Vorbildfunktion übernehmen.

Das Kommunale Energiemanagement (KEM) ist ein wichtiges Instrument für die energetische Optimierung der kommunalen Liegenschaften. Die Kommunen können in ihrer Rolle als Verbraucher bereits mit einfachen und geringinvestiven Maßnahmen Erfolge erzielen und darüber hinaus als Vorbild, Motivator und Berater für Bürger und Unternehmen wirken.

Energie-3-Sprung – was tun?
Wie viel Energie in welchen Monaten benötigen die gemeindlichen Liegenschaften? Liegt dies im „grünen“ Bereich? Sollte zunächst das Schwimmbad energetisch saniert werden oder die Grundschule? Welche Straßenzüge werden mit alten Stromschluckern beleuchtet, die besser ausgetauscht werden sollten?

Diese Fragen werden mit einem Kommunalen Energiemanagement (KEM) beantwortet. Beim KEM wird mit Hilfe von Kennzahlenvergleichen ermittelt, für welche Einrichtungen der größte Handlungsbedarf besteht.

Im ersten Schritt wird der aktuelle Energiebedarf der Einrichtungen (z. B. Gebäude, Straßenbeleuchtung) erfasst, kontrolliert und analysiert.

Darauf aufbauend werden dann gezielte Maßnahmen durchgeführt
zur Senkung des Energiebedarfs
zur Steigerung der Energieeffizienz
und zur Nutzung erneuerbarer Energieträger
Vorteile / Nutzen – was bringt es?
Sobald Sie die Schwachstellen erkannt haben, können Sie teilweise mit einfachen Maßnahmen Energie einsparen. Die Erfassung und der Vergleich von Verbrauchswerten bildet die Grundlage für alle weiteren Schritte bis hin zur Sanierung oder dem Neubau von Gebäuden.

Das KEM bietet eine geeignete Grundlage für die systematische Betrachtung des Energiebedarfs kommunaler Liegenschaften (darunter z. B. auch die Straßenbeleuchtung und die Ampelanlagen). Sobald Sie dann Schwachstellen erkannt haben, können Sie teilweise mit einfachen Maßnahmen Energie einsparen.

Die gewonnen Erkenntnisse aus der Verbrauchserfassung und dem Vergleich von Verbrauchswerten bilden die solide Grundlage für Sanierung oder Neubau von Gebäuden.

Die kommunalen Liegenschaften wirken als Vorbild und können so auch Bürger von den Vorteilen energetisch optimierter Gebäude überzeugen.

Darüber hinaus
spart die Kommune Bewirtschaftungskosten,
kann die Kommune verschiedene organisatorische oder technische Alternativen in vergleichbaren Objekten testen und
darauf aufbauend ihre mittelfristigen Sanierungs-Vorhaben gezielt steuern.
Daten / Fakten – wo stehen wir?
Die Energiekosten der kommunalen Liegenschaften übertreffen diejenigen von Bund oder Ländern um weit mehr als das Doppelte. Dies zeigt, dass die Kommunen eine Schlüsselrolle bei der Energiewende spielen.
Rund 570 Millionen Euro zahlen deutsche Kommunen jedes Jahr für die Beleuchtung der Straßen. Der Energiebedarf der Straßenbeleuchtung kann durch effizienten Einsatz und effiziente Technik um bis zu 80 % reduziert werden.
Die große Mehrzahl der Kommunen verweist darauf, dass sich die Kosten für die Implementierung und den Betrieb des Kommunalen Energiemanagements bereits nach 2-3 Jahren amortisiert haben.

KEM informiert darüber

  • welcher Verbraucher welche Menge Energie und Wasser benötigt,
  • wo die Verbrauchsschwerpunkte liegen und
  • wo besonders hohe Verluste entstehen.
Was muss ich tun?
Die klassische Herangehensweise für ein KEM besteht aus folgenden Schritten:
Erfassung des aktuellen Energieverbrauchs der bestehenden Liegenschaften (möglichst monatliche Ablesung des Strom-, Wärme- und Wasserverbrauchs). Die Erfassung der Verbrauchsdaten sollte durch geschultes Personal durchgeführt werden (z. B. die Kindergartenleitung, der Schul-Hausmeister, ein zentral Verantwortlicher in der Bauverwaltung). Gemeinden können damit auch externe Energiedienstleister beauftragten (z. B. eine regionale Energieagentur, einen qualifizierten Energieberater).
Bewertung der Daten über Vergleichsmethoden: Datenauswertung, Benchmarking mit Kennzahlen anderer Liegenschaften oder Kommunen.
Ergreifung von Maßnahmen zur Senkung des Energiebedarfs (Energieeinsparungen und Steigerung der Energieeffizienz) und zur Nutzung erneuerbarer Energieträger. Wichtig: Termine und Zuständigkeiten festlegen.
Erstellung eines Energieberichtes, am sinnvollsten jährlich.

Das KEM ist ein fortlaufender Prozess. Auf der Basis von aktualisierten Daten werden Maßnahmen und Ziele ggf. neu festgelegt. Dabei werden nicht nur stetige Verbrauchssenkungen erreicht, sondern auch die Arbeitsabläufe hinsichtlich der Energieoptimierung schrittweise verbessert.
Wie viel spare ich durch KEM?
Durch das KEM lassen sich enorme Mengen Energie einsparen:

Beispiel Nürnberg: Die Stadt Nürnberg hat durch ein vorbildlich durchgeführtes KEM folgende Einsparungen erzielt (siehe Energiebericht der Stadt Nürnberg 2013):
Die Heizenergieverbräuche wurden zwischen den Jahren 2000 und 2012 um 25,9 % reduziert.
Die Stromverbräuche wurden zwischen 2007 und 2013 um ca. 28 % reduziert.
Die Wasserverbräuche wurden seit dem Jahr 2000 um ca. 43 % reduziert.

Beispiel Kempten: Die Stadt Kempten betreibt seit dem Jahr 1999 ein KEM (siehe Energiebericht der Stadt Kempten 2014):
Zwischen dem Jahr 2001 und 2014 hat sich durch das KEM eine Einsparung von insgesamt fast 7 Millionen € aufsummiert.
Allein im Jahr 2014 wurden über 950.000 € eingespart.
Die Heizenergieverbräuche der städtischen Liegenschaften wurden durch das KEM um insgesamt 32 % reduziert.
Wo gibt es finanzielle Hilfe?
Das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz (StMUV) fördert KEM bei Kommunen und anderen Körperschaften des öffentlichen Rechts im Rahmen der "Richtlinien zur Förderung von Klimaschutzmaßnahmen der Kommunen und anderer Körperschaften des öffentlichen Rechts" (KlimR, ehemals: CO2-Minderungsprogramm). Die Förderhöhe beträgt in der Regel 40 % der zuwendungsfähigen Aufwendungen (Informationen siehe unter Links und Downloads unten).

Förderfähige Maßnahmen:
der Aufbau von Strukturen zur Optimierung des Betriebs von Liegenschaften mittels Energiemanagement oder vergleichbare andere nichtinvestive Vorhaben,
die Erfassung des energetischen Zustands einer Liegenschaft sowie die Ausarbeitung von Vorschlägen für bauliche und technische Maßnahmen zur Energieeinsparung mittels Energiemanagement,
die Beratung und Schulung von Gebäudeverantwortlichen,
eine Beratung und Begleitung bei der Realisierung CO2-mindernder Vorhaben (energetische Sanierungsplanung),
die Vorbereitung, Ausschreibung und beratende Begleitung bei der
Durchführung von Maßnahmen zum Energiespar-Contracting,
die Umsetzung der ermittelten und vorbereiteten CO2-Minderungsmaßnahmen in Form von Demonstrationsvorhaben und Pilotprojekten (sofern hierfür ausreichend Haushaltsmittel zur Verfügung stehen).

Weitere Fördermöglichkeit:

Nach der Kommunalrichtlinie kann der Aufbau eines KEM als Klimaschutz-Teilkonzept gefördert werden. Zudem werden Maßnahmen in Schulen und Kindertagesstätten sowie Sanierung von Lüftungen und Hallen- und Innenbeleuchtung gefördert (siehe Links und Downloads "Die Kommunalrichtlinie").
Ein Dach wird von Handwerkern mit einer dicken Schicht Steinwolle gedämmt (Quelle: Dr. Josef Hochhuber)

Energetische Sanierung und Neubau

Angenehmes Raumklima - minimaler Energieeinsatz.
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Hallenbad

Kommunale Liegenschaften

Hier kann viel Energie gespart werden.
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Natriumdampflampe (Quelle: Energie-Atlas Bayern)

Straßen-
beleuchtung

Straßen ins richtige Licht setzen.
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Abwasser

Energie aus Abwasser nutzen.
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Energiespar-Contracting

Gemeinsame Vorteile nutzen und Energie sparen.
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Links und Downloads

Förderung des KEM
Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz (StMUV):
Internetseite zur "Förderung von Klimaschutzmaßnahmen der Kommunen und anderer Körperschaften des öffentlichen Rechts" (ehemals CO2-Minderungsprogramm)
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB):
Die Kommunalrichtlinie

Fortbildung Energiemanager/innen
Bayerische Verwaltungsschule (BVS):
Energiemanager/-in (BVS). Eine neue Qualifizierungsmaßnahme zum effizienten Energiemanagement

Von den Erfahrungen der anderen Kommunen lernen
Energie-Atlas Bayern:
Praxisbeispiel: Kommunales Energiemanagement (KEM) der Stadt Nürnberg
Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU):
Veranstaltungsdokumentation "Die Wärmewende aus kommunaler Sicht"
Tagungsband "Kommunales Energiemanagement - Workshop für kleinere Gemeinden"
Rat für Nachhaltige Entwicklung:
Broschüre "Mit starken Kommunen die Energiewende zur Erfolgsstory machen"
Deutsche Umwelthilfe e. V. (DUH):
Handlungsleitfaden "Stadtwerk mit KlimaZukunft – Handlungsempfehlungen für mehr Klimaschutz in Stadtwerken"
Deutsche Energie-Agentur (dena):
Umfrage "Zitierte Ergebnisse der Forsa-Umfrage zum Kommunalen Energiemanagement (April/Mai 2013)"

Praktische Anleitung zum KEM
Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW):
Broschüre "Basisbaustein Energiemanagement"

Spezielle Bereiche
Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU):
Broschüre "Einsparung von Kosten und Energie in der Trinkwasserversorgung"

Weitere Energie- und Klimaschutzmanagementsysteme
European Energy Award (eea):
Internetseite "European Energy Award"
Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena):
Internetseite "Energie- und Klimaschutzmanagement"
Leitfaden "Energiesparen in öffentlichen Gebäuden"
Climate Alliance:
Internetseite "Climate Alliance"