Kontrast Gebärdensprachvideo Leichte Sprache Informationen zur Schriftgröße

Einkauf und Lieferkette nachhaltig gestalten

Was kostet die Beschaffung einer Maschine oder eines Produkts wirklich? Schauen Sie auf die laufenden Kosten der Nutzung, insbesondere auf die Energiekosten. Auch ein Blick auf die vorgelagerte Lieferkette kann sich lohnen.

Die Nachfrage nach effizienten und ökologischen Produkten steigt. Es kann sich daher für Sie lohnen, wenn Sie Ihre Lieferantenstrategie auf Klimaschutz und Nachhaltigkeit ausrichten. In einigen Bereichen können Sie auch Kosten sparen, z. B. durch ein Energiespar-Contracting oder indem Sie versteckte Folgekosten miteinberechnen.

Investitionsgüter: Folgekosten einrechnen

Der Energieverbrauch Ihres Unternehmens entscheidet sich bereits bei der Beschaffung der Anlagen, die täglich in Betrieb sind. Viele berechnen die Amortisation ohne den laufenden Kostenfaktor Energie. Fällt dieser Missstand einmal auf, sind die Anlagen schon in Betrieb und Sie können nur noch geringfügig nachsteuern.

Kalkulieren: Total Cost of Ownership
Ein Großteil der Kosten, die ein Investitionsgut verursacht, entsteht häufig erst nach der Beschaffung. Zielführend ist es, die Gesamtkosten einer Anschaffung über den ganzen Lebenszyklus (TCO-Analyse, TCO für "Total-Cost-of-Ownership") zu analysieren. Beziehen Sie daher unbedingt auch die Folgekosten, wie Energie- und Wartungskosten, in Ihre Kaufentscheidung mit ein.

Übrigens: Einer Studie zufolge setzen Unternehmen, die die Kosten eines Investitionsguts über den Lebenszyklus betrachten, deutlich mehr rentable Effizienzmaßnahmen um.
Auswählen: Energieverbrauch im Fokus
Energieeffiziente Optionen sind oft in der Anschaffung teurer, weil hochwertigere Komponenten verbaut werden. Das gilt auch für Zusatzmodule, wie eine Wärmerückgewinnung, die erhebliche Energiemengen einsparen kann. Da Anlagen möglichst über lange Zeit in Betrieb sind, lohnt es sich unbedingt nach einer effizienteren Ausgestaltung der Anlage zu fragen.
Holen Sie verschiedene Angebote ein. Fragen Sie dabei explizit nach effizienteren Anlagenkonzepten – bei thermischen Systemen insbesondere nach Systemen mit Wärmerückgewinnung (siehe Abwärme).
Betrachten Sie die Standardausstattung von Anlagen. Benötigen Sie alle energieverbrauchenden Komponenten, oder können Sie manche problemlos abschalten (siehe Produktionsanlagen)
Nutzen Sie bewährte Siegel wie z. B. die internationalen Energieeffizienzklassen (IE) bei Elektromotoren oder den "Energy Star" bei Bürogeräten. Die dort angelegten Kriterien können als Teil der Unternehmensleitlinien festgelegt werden.
Einbinden: Einkaufsabteilung schulen
Um von bisherigen Beschaffungsstrukturen und dem Fokus auf Investitionskosten abzurücken, sollten den Mitarbeiter/innen der Einkaufsabteilung Qualifizierungsmöglichkeiten und angepasste Richtlinien bei der Beschaffung an die Hand gegeben werden.

Sinnvoll ist es, Jahresprämien nicht ausschließlich an den Einkaufskosten zu orientieren. Werden entsprechende Kennzahlen festgelegt, wird ein positives Anreizsystem für die Steigerung der Effizienz geschaffen.

Nachhaltige Lieferkette

Klimaschutz und Emissionsminderung werden immer wichtiger – mit einer Wesentlichkeitsanalyse (siehe Links und Downloads) können Sie die Bedeutung für Ihr Unternehmen herausfinden.

Da es sich bei Lieferketten in der Regel um globale Verknüpfungen von Personen, Ländern und Gütern handelt, ist das Lieferkettenmanagement komplex und die Entwicklung einer nachhaltigen Lieferkette ein kontinuierlicher Prozess. Als „nachhaltige Lieferkette“ bezeichnet man Lieferketten, die ökologische, ökonomische und soziale Aspekte berücksichtigen. Dem Thema Klimaschutz und Emissionsminderung fällt zunehmende Bedeutung zu.

Management-Entscheidung treffen
Die Bedeutung der Themen Energieeffizienz und Klimaschutz für das Unternehmen sollte durch das Management klar kommuniziert werden.
Energieeffizienz und weitere umweltbezogene Größen können dann als Einkaufskriterium definiert werden.
Dies kann zu Beginn anhand eines Leuchtturmprojektes demonstriert werden.
Die Entscheidung, Energieeffizienz im Einkauf mitzudenken, wird im Idealfall durch einen Lieferantenkodex und Zielsetzungen für den Einkauf untermauert (zum Beispiel ein Mindestanteil an emissionsarmen Produkten).
Das Energie- und Nachhaltigkeitsmanagement kann auf dieser Basis als Initiator eingesetzt werden und die Schnittstelle zu Einkaufs- und betroffenen Fachabteilungen bilden.
Status quo erfassen
Nutzen Sie Fragebögen und Kurzaudits, um Primärdaten aufzunehmen sowie Klimaschutzmaßnahmen und das Energieeffizienzpotenzial der Lieferanten abzufragen.
Eine ausreichende Detailtiefe ist nötig, um später geeignete Maßnahmen zu identifizieren.
Um nachweislich Strom aus erneuerbaren Energien zu beziehen, sollte man auf entsprechende Zertifikate achten. Dazu zählt z. B. das "ok-power-Siegel" (siehe Links und Downloads)
Prüfen Sie, ob Sie auf diese Methoden zurückgreifen oder Zertifizierungen nutzen können.
Ziele vereinbaren und überprüfen
Treffen Sie konkrete Vereinbarungen bezüglich der angestrebten CO2-Reduktion und geplanter Energieeffizienzmaßnahmen.
Sie können Ihre Lieferanten mit Informationen unterstützen, z. B. zu Best Practices.
Überprüfen Sie mithilfe von wiederkehrenden Statusabfragen (Monitoring) festgelegte Kennzahlen (siehe Energietransparenz).

Energiespar-Contracting

Durch ein Energiespar-Contracting können Sie Energie und Kosten sparen. Es kommt besonders für Unternehmen in Frage, deren versorgungstechnische Anlagen ein hohes Durchschnittsalter aufweisen bzw. die einzelne Anlagen ersetzen müssen. Interessant ist Contracting außerdem für Firmen, die nur wenig eigenes Know-how im Bereich Energie- und Versorgungstechnik haben und von spezialisierten und erfahrenen Firmen profitieren können. Ein weiterer Vorteil ist, dass teilweise erhebliche Investitionen entfallen.