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FAQ

Früher war die Energiegewinnung ein wesentlicher Grund für den Ausbau der Gewässer - viele andere Belange wurden diesem Ziel untergeordnet. Heute steht eher der Schutz der bedrohten Natur vor dem Eingriff des Menschen im Blickpunkt.

Vor dem Hintergrund des Klimawandels soll auch die Wasserkraft ihren Beitrag zu einer CO2-armen Energiegewinnung leisten. Hierbei zeigt sich der Grundsatzkonflikt zwischen dem gewünschten Zuwachs an regenerativer, CO2-armer Energie und dem Erhalt von freien Fließgewässern. Oftmals lassen sich jedoch gute Kompromisse zwischen Wasserkraft und Naturschutz finden.

Was bedeuten die Begriffe "Durchgängigkeit" und "Querbauwerke"?
Durchgängigkeit von Gewässern
Unsere Fließgewässer bilden von Natur aus miteinander vernetzte Lebensräume. Die sogenannte Durchgängigkeit eines Gewässers umfasst eine biologische und eine hydromorphologische Komponente:
Die biologische Durchgängigkeit ermöglicht die Wanderung von Fischen und anderen in Gewässern lebenden Tierarten.
Die hydromorphologische Durchgängigkeit ermöglicht den Transport von Geschiebe.

Querbauwerke
Querbauwerke unterbrechen die Durchgängigkeit von Gewässern. Auch Wasserkraftanlagen stellen mit ihren Stauwehren und Ausleitungen Querbauwerke dar und verschlechtern den ökologischen Zustand der Gewässer:
Fische und andere dort lebende Tierarten werden in ihrem Wanderverhalten gestört und können sich oft nur noch begrenzt ausbreiten.
Der Geschiebetransport kann beeinflusst werden.
Durch Turbinen von Wasserkraftanlagen ist für die Fische, die stromabwärts schwimmen, ein hohes Verletzungs- und Tötungsrisiko gegeben.

An den in Bayern rund 25.000 km für die europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) relevanten Fließgewässern existieren nach erster Schätzung bis zu 60.000 Querbauwerke. Hiervon sind hochgerechnet ca. 50 % nicht fischdurchgängig.

Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU):
Wasserbau und Gewässerschutz: Durchgängigkeit
Wasserbau und Gewässerschutz: Projektdatenbank Querbauwerke
Welche ökologischen Nachteile hat die Wasserkraftnutzung?
Unterbrechung der biologischen und hydromorphologischen Durchgängigkeit; Wanderhindernis für Fische, Barriere für den Geschiebetransport
Veränderung des Fließgewässercharakters durch Aufstau, evtl. Schwellbetrieb
Schädigung der Fische bei Turbinendurchgang
Wasserentzug im Mutterbett (Restwasser) bei Ausleitungen
Veränderung des Wasserhaushaltes der Auen
Welche Maßnahmen unterstützen eine ökologisch verträgliche Wasserkraftnutzung?
Vermeidung von Querbauwerken und Erhöhung der Durchgängigkeit bei Querbauwerken
Einrichtung von Fischaufstiegsanlagen (Fischtreppe)
Bau eines Umgehungsgerinnes
Rechenanlagen, sonstige Schutz- und Ablenkeinrichtungen
Fischfreundliche Turbinen
Sicherung eines ausreichend hohen Restabflusses in Flüssen und Bächen
Bewirtschaftungspläne für Fischarten (Bsp.: Aal-Bewirtschaftungsplan im Maingebiet)
Stauraum-/ Feststoffbewirtschaftung
Künstlich errichtete Sohlrampen als Ersatz für Wehre und Abstürze
Populationsfördernde Maßnahmen durch Verbesserung der Uferstrukturen
Einsatz innovativer Wasserkrafttechniken (z. B. Wasserkraftschnecke, VLH-Turbine, neue Wasserräder); mehr Informationen hierzu in der Antwort auf Frage 4

Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU):
Forschungsvorhaben "Wasserkraftnutzung und Gewässerökologie"
Praxishandbuch Fischaufstiegsanlagen in Bayern – Hinweise und Empfehlungen zu Planung, Bau und Betrieb
Welche innovativen Maßnahmen bei der Wasserkrafttechnik sind aus ökologischer Sicht besonders interessant?
Auch die Jahrhunderte alte Wasserkrafttechnik besitzt weiteres Entwicklungspotenzial. Hierzu gehören die Optimierung vorhandener Turbinentypen, aber auch Neuentwicklungen bei Wasserkraftanlagen, die die gesetzlichen Anforderungen z. B. zum Fischschutz erfüllen.

Wasserkraftschnecke
Ideale Anlage zur Energiegewinnung für Wassermengen von 0,1 m³/s bis 10 m³/s und Fallhöhen zwischen 1 m und 10 m
Fischverträglich und flussabwärts durchgängig
Kein Feinrechen mehr nötig, es genügt ein Grobrechen mit ca. 10 - 15 cm Stababstand

VLH-Turbine (very low head-Turbine)
Technik in Deutschland bisher noch nicht eingesetzt
Wird aufgrund der langsamen Drehzahl und einer optimierten Turbinenschaufel als fischfreundlich eingestuft
Durch Ihre kompakte Bauform, den Einsatz bei geringen Fallhöhen und durch die Möglichkeit zum Herausschwenken der Turbine aus dem Hochwasserabflussquerschnitt eröffnen sich besondere Vorzüge für den Einbau in bestehende Querbauwerke

Moderne Wasserräder
Geeignet für kleine Wasserkraftanlagen
Innovativ z. B. dank neuer Werkstoffe und verbesserter Elektrokonzepte
Aufgrund der niedrigen Drehzahl keine Verletzungs- und Tötungsgefahr für Fische

Schachtkraftwerk
Innovatives Wasserkraftkonzept der TU München
Die horizontale Rechen-Einlaufebene mit geringer Anströmungsgeschwindigkeit erhält einen günstigen Abwanderungskorridor für Fische.
Die Kraftwerksanordnung unter Wasser, fehlende Kraftwerksaufbauten oder Ufereingriffe und die kompakte Bauweise setzen Grundlagen für bessere ökologische Standards.

Das bewegliche Wasserkraftwerk
Vielversprechendes Konzept einer Wasserkraftanlage zur Nutzung geringer Gefällstufen, das hohe hydrologische, ökologische und ökonomische Anforderungen erfüllt
u.a. folgende Vorteile: lässt sich an bestehenden Wehranlagen einbauen, ökologische Durchgängigkeit für flussauf- und flussabwärts wandernde Fische und Kleinlebewesen, sehr hoher Gesamtwirkungsgrad, Verbesserung des Hochwasserabflusses ohne zusätzliche Bauwerke, keine Verlandung des Staubereichs und des Wiedereinleitungsbereichs
In Deutschland an vier Standorten realisiert (Bad Sulza/ Thüringen sowie Gengenbach/ Baden-Württemberg)

Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz (StMUV)/ Gregor Overhoff:
Wasserkraftnutzung in Bayern – wie geht es weiter?
(Abschnitt "Technische Entwicklungen in der Wasserkraft", S. 5 f.)

Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU):
Forschungsvorhaben "Wasserkraftnutzung und Gewässerökologie"
Welche Auswirkungen hat der ökologische Standard von Wasserkraftanlagen auf die Vergütung des erzeugten Stroms nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)?
Mit der Neufassung des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) wurden die Absätze zum ökologischen Standard von Wasserkraftanlagen aufgehoben, da die Bestimmungen des Wasserhaushaltsgesetz (§ 33, 34 und 35 WHG) einzuhalten sind.

Energie-Atlas Bayern:
Thema Wasser – Genehmigung
Thema Wasser – Förderung
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB):
Leitfaden für die Vergütung von Strom aus Wasserkraft nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz für die Neuerrichtung und Modernisierung von Wasserkraftanlagen
Wo finde ich Checklisten bzw. Planungshilfen zur Wasserkraft?
Über die Ansprechpartner "Wasserkraft"
Wasser – Ansprechpartner