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Blühflächen zur Energiegewinnung

Der Anbau einer artenreichen mehrjährigen Wildpflanzenmischung trägt in Rhön-Grabfeld zur nachhaltigen Energiegewinnung bei und fördert gleichzeitig die Struktur- und Artenvielfalt.

Projektträger: Agrokraft GmbH

Projektstandort

Bad Neustadt a.d.Saale

Bad Neustadt a.d.Saale

Nutzen und Kosten

besonders wirkungsvoll – hoher Nutzen für die Umwelt
Die Blühflächen sind, insbesondere im Spätsommer, eine wertvolle Nahrungsquelle für eine Vielzahl an Insekten und gleichzeitig ein wichtiger Lebensraum sowie Rückzugsort für die Tiere der Agrarlandschaft. Durch die mehrjährige Nutzung wird Humus aufgebaut und dadurch CO2 gebunden. Das ist effektiver Klimaschutz.
besonders schnell – braucht nicht viel Zeit zur Umsetzung
Die Blühflächen werden im Frühjahr ausgesät und können bereits im Herbst das erste Mal geerntet und in der Biogasanlage als Substrat eingesetzt werden. Eine einmal angelegte Blühfläche ist bis zu acht Jahren nutzbar.

Nutzen: Die wichtigsten Effekte sind die Erhöhung der Artenvielfalt, der Beitrag zum Boden- und Gewässerschutz und die Förderung der nachhaltigen Energiegewinnung.

Förderung: Fördergeber: Bayerischer Naturschutzfonds
Fotos
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Beschreibung

Auslöser
Das Projekt ist als Gemeinschaftsprojekt von Landwirten, Biogasanlagenbetreibern, Naturschützern und Imkern im Jahr 2017 gestartet. Projektziel ist die Etablierung von Blühflächen zur Energiegewinnung, die als Ergänzung zu den vorherrschenden Energiepflanzen Mais- und Ganzpflanzensilage angebaut werden.
Durchführung
Was und wer steckt hinter dem Projekt?

Im Rahmen des Projekts werden auf einer Fläche von über 100 Hektar spezielle Blühmischungen angebaut, die sich für die Biogasgewinnung eignen und gleichzeitig die biologische Vielfalt fördern. Ziel ist es, belastbare Fakten und Erfahrungen zum Einsatz der Mischung zu sammeln. Das Projekt wird seit 2019 durch den Bayerischen Naturschutzfonds gefördert. Projektträger sind die Agrokraft GmbH und der BUND Naturschutz in Bayern. Die Laufzeit beträgt drei Jahre.
In diesem Umfang ist das Projekt das wohl größte seiner Art in Deutschland. Außergewöhnlich ist zudem die Zusammensetzung der Partner: Im Projekt kooperieren BUND Naturschutz, Bayerischer Bauernverband, Fachverband Biogas und der Imkerbund.

Was wird angebaut?

Über 40 landwirtschaftliche Betriebe bauen auf insgesamt 80 Flächen den sogenannten "Veitshöchheimer Hanfmix" an. Die spezielle Energiepflanzenmischung wurde in langjähriger Forschungsarbeit von der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim entwickelt, um die Struktur- und Artenvielfalt in der Agrarlandschaft zu fördern. Die Mischung besteht aus rund 30 verschiedenen Wild- und Kulturpflanzenarten, darunter z. B. Wegwarte, Fenchel, Herzgespann, Sonnenblume und Nutzhanf. Aufgrund des Arten- und Blütenreichtums stellt die Mischung eine wertvolle Nahrungsquelle und einen attraktiven Lebensraum für die Tiere der Agrarlandschaft dar. Die Kombination massewüchsiger und blütenreicher Arten ermöglicht eine verhältnismäßig gute Gasausbeute und ist daher eine sinnvolle Ergänzung zum Maisanbau.

Lohnt sich das überhaupt?

Grundsätzlich ist die Energiepflanzenmischung eine sinnvolle Ergänzung zu den klassischen Biogaskulturen. Aus ökonomischer Sicht ist der Anbau der Wildpflanzenmischung jedoch nicht ausreichend rentabel. Denn sowohl der Trockenmasse- als auch der Methanertrag liegen deutlich unter den Ertragsdaten von Mais. Weniger Biomasse mit geringerer Energiedichte bedeuten weniger Gas, weniger Strom und damit weniger Geld für die Biogasanlage und den Landwirt. Um den Anbau wirtschaftlich zu gestalten, fehlen im Vergleich zum Mais rund 500 € pro Hektar. Auf lange Frist gesehen ist eine staatliche Förderung wünschenswert. Denn: Erneuerbare Energie aus Biomasse zu erzeugen und gleichzeitig die Artenvielfalt zu erhalten ist anspruchsvoll und lohnt sich, auch wenn es sich nicht von allein trägt.

Zitate
"Das Projekt ist für mich die ideale Ergänzung für die Biogasanlagen zur Energiegewinnung. Es bringt fast nur Vorteile: Blüten für unsere Bienen und Wildbienen und durch die Nachblüte im September eine ideale Pollenversorgung für die Aufzucht der Winterbienen." (Annette Seehaus-Arnold, Präsidentin Deutscher Berufs und Erwerbsimkerbund e.V.)
"Die vielen durchweg positiven Nachfragen aus der Bevölkerung, was denn da genau auf unserer Fläche wächst, haben uns sehr gefreut und in der Entscheidung, die Wildpflanzenmischung als festes Glied in der Fruchtfolge zu etablieren, bestärkt." (Margit Ziegler, Landwirtin und BBV-Kreisbäuerin)
"Der Ansatz einer biodiversitätsfördernden Biogasgewinnung im mehrjährigen Anbau hat viele Gesellschafter unserer Gemeinschaftsbiogasanlage sofort überzeugt und zum Mitmachen bewegt. Fest steht aber auch: Ohne eine finanzielle Unterstützung der Anbauer ist eine biodiversitätsgerechte Energiegewinnung nicht umsetzbar." (Mathias Klöffel, Geschäftsführer Bioenergie Bad Königshofen GmbH & Co. KG)
"Überrascht haben die große Artenzahl und die hohe Individuenzahl an Wildbienen auf den Versuchsflächen. Dabei wurden die Blühflächen auch von hoch gefährdeten Bienenarten genutzt." (Dr. Klaus Mandery, Leiter des Instituts für Biodiversitätsinformation e.V.)
Auszeichnungen
  • 07/2019: boden:ständig-Preis 2019
    verliehen von: Bayerische Staatsregierung

Beispiel gemeldet:03/2020
zuletzt aktualisiert:01/2021

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