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Modernes Bürogebäude. (Quelle: Tiberius Gracchus - Fotolia.com)

Energie-optimierte Gebäude (Unternehmen)

Die Verbesserung der Gebäude-Energieeffizienz lohnt sich insbesondere für Gewerbe, Handel und Dienstleistung. Aber auch industrielle Unternehmen können ihre Energiekosten deutlich reduzieren.

Gelingt es Ihnen, den Energieverbrauch zu senken und gleichzeitig die Versorgung effizient zu gestalten, erzielen Sie große Einsparungen. Das sind die zwei wesentlichen Stellschrauben:

  • die Gebäudehülle – sie hat einen wesentlichen Einfluss auf den Endenergieverbrauch des Gebäudes, vor allem im Bereich Wärme.
  • die technische Gebäudeausstattung – sie umfasst die eigentlichen Energieverbraucher, z. B. die Heizanlage.

Gebäduehülle

Planen Sie ein neues Gebäude oder möchten Sie ein Bestandsgebäude energetisch modernisieren? Mit der richtigen Planung können Sie langfristig sehr viel Energie sparen. Bedenken Sie, dass Sie beim Bau festlegen, wie viel Energie über den Lebenszyklus des Gebäudes verbraucht wird. Nachsteuern ist sowohl bei der Modernisierung als auch beim Neubau kompliziert und teuer.

Berücksichtigen Sie auch die Nutzung des betreffenden Gebäudes – handelt es sich um ein Bürogebäude, eine Produktionshalle oder einen Lebensmittelmarkt? Wählen Sie energetischen Maßnahmen, die zur Nutzung passen.

Gebäude, deren Zweck der Aufenthalt von Menschen ist, müssen ein entsprechendes Raumklima aufweisen. In Bürogebäuden sollten Sie einen Primärenergieverbrauch von unter 100 kWh/(m²a) zum Heizen, Lüften, Kühlen und Beleuchten anstreben.

Neubau

Bei Neubauten ist der Passivhaus-Standard mit 15 kWh/(m²a) bei der Heizenergie Stand der Technik. Bauliche Einsparmöglichkeiten:

  • Kompakte Bauweise und sehr guter baulicher Wärmeschutz
  • Auf Nutzung und Energiesparen hin optimierte Glasflächen (z. B. Ausrichtung und Größe) mit hochwertiger Verglasungsqualität
  • Minimierung von Wärmeeinträgen
  • Nutzung von Tageslicht
  • Hohe Luftdichtigkeit und integrale Lüftungsplanung
  • Einplanung der Nutzung von Abwärme und erneuerbaren Energien

Sanierung
Bei Bestandsgebäuden sind viele wirksame bauliche Maßnahmen nicht mehr möglich. Dennoch können Sie z. B. durch eine Fassadendämmung oder Verbesserungen der Gebäudetechnik große Einsparpotenziale erzielen.

  • Versuchen Sie, Ihr Gebäude durch eine umfassende Sanierung den Neubau-Standards oben anzunähern.
  • Der Zielwert bei der Sanierung ist ein Heizwärmebedarf von 30 kWh/(m²a).
  • Einzelne Sanierungsmaßnahmen können bereits bei einem 15 bis 20 Jahre alten Gebäude notwendig sein. Siehe auch: Bauen und Sanierung – wichtige Tipps

Bei Produktionshallen sind pauschale Aussagen besonders schwer. Wesentlich sind die Nutzung der Halle und die Art der Produktion. Bei energieintensiven Prozessen und viel Abwärme kann eine starke Gebäudedämmung sogar kontraproduktiv sein. Fällt hingegen wenig Wärme an und es muss regelmäßig geheizt werden (z. B. Montagehallen) oder muss viel gekühlt werden (z. B. in einem Lager), sollten Sie nicht nur auf die Gebäudetechnik, sondern auch auf die Gebäudehülle achten (z. B. verstärkte Sonnennutzung, verbesserte Dämmung der Außenwände und Fenster).

Eindringen von Außenluft

Ein häufiges Problem in Bestandsgebäuden ist die Infiltration, also das unerwünschte Eindringen von Außenluft in das Gebäudeinnere. Im Winter sorgt das für eine deutliche Erhöhung des Heizbedarfs. Die Infiltration erfolgt häufig durch alte Schächte, Kamine etc., die schon lange nicht mehr in Betrieb sind und mit relativ einfachen Mitteln abgedichtet werden können. Ein weiteres Problem stellen offene Tore dar. Hier können automatische Schnelllauftore helfen.

Technische Gebäudeausstattung

Die technische Gebäudeausrüstung (TGA) stellt die gewünschten Bedingungen im Gebäude her. Sie sollte möglichst effizient sein. Das heißt,

  • dass die eingebaute Technik selbst die höchste Effizienz aufweist,
  • dass diese für die Aufgabe richtig dimensioniert ist und
  • dass sie effizient betrieben wird.

Das A und O bei der Dimensionierung der Gebäudeausrüstung ist der tatsächliche Bedarf, beachten Sie also z. B. bei der Wärmeversorgung auch Wärmeeinträge.
Im effizienten Betrieb sollte die Leistung immer abhängig vom aktuellen Bedarf geregelt werden. In Produktionsgebäuden können Sie viel Energie sparen, wenn die TGA sich anpasst, sobald relevante Maschinen und Anlagen gerade (nicht) in Betrieb sind, etwa im Bereich Abluft oder Wärme- und Kälteversorgung.

sparen mit Energiemanagement

Durch ein Energie-Monitoring und die Betriebsoptimierung (siehe Energiemanagement) können Sie bei einem Gebäude zwischen 5 % und 30 % Energie einsparen. Eine regelmäßige und systematische Instandhaltung und Überprüfung der eingestellten Anlagenparameter der TGA bezüglich des Bedarfs sichert eine hohe Effizienz im Betrieb.

Bei Beleuchtungssystemen ist das relative Einsparpotenzial in der Regel besonders hoch: Mit der Modernisierung Ihrer Beleuchtung können Sie bis zu 70 Prozent Energie einsparen – ohne Verringerung der Lichtqualität oder Verschlechterung der Sehaufgabe oder des Sehkomforts.

Die Grundregeln für ein sparsames Beleuchtungssystem sind:

  • Nutzung des Tageslichts
  • Orientierung des Beleuchtungssystems am Bedarf, z. B. ausgehend von der Sehaufgabe oder Kombination aus Raum- und Einzelplatzbeleuchtung
  • Steuerung der Beleuchtung, z. B. tageslichtabhängig, Präsenzmelder, Zeitsteuerungen
  • Einsatz moderner Leuchtmittel und Leuchten (LED)

LED sind sehr effizient, haben eine lange Lebensdauer und sind in vielen Ausführungen erhältlich. Bei Umgebungen mit sehr hohen Staub- oder Schadstoffbelastungen sollte bei der Auswahl der eingesetzten Technik genau hingeschaut werden, damit die Lebensdauer nicht beeinträchtig wird. Zu empfehlen ist eine detaillierte Beleuchtungsplanung, sowohl bei Neuanlagen, als auch bei Sanierungen von Bestandsanlagen.

Im Bereich Heizung können Sie Einsparungen bis zu 30 Prozent erzielen. Bevor Sie in einem Bestandsgebäude das Heizsystem optimieren, sollten Sie jedoch die Sanierung/Optimierung der Gebäudehülle (z. B. Dämmung, Fenster) ins Auge fassen. Dies senkt den Wärmebedarf am stärksten.

Wärmeeerzeugung

Prüfen Sie bei geplanten Heizanlagen zuerst, ob durch Ihre Produktion Abwärme anfällt, die zur Beheizung genutzt werden kann.

Nutzen Sie erneuerbare Energien wie etwa Geothermie oder Solarthermie. Soweit die Möglichkeit besteht, setzen Sie auch in Bestandsgebäuden eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung ein.

Wärmeübertragung

Die Wärmeübertragung kann grundsätzlich durch Konvektion oder durch Wärmestrahlung erfolgen. Ermitteln Sie in einer professionellen Planung die optimale Variante. Vereinfacht kann gesagt werden, dass sich

konvektive Systeme für kleinere Räume und für die Abwärmenutzung eignen und

strahlungsbasierte Systeme für Werkshallen besonders eignen, wo sie gegenüber konvektiven Systemen 20-30 Prozent Endenergie einsparen.

Die vor allem bei konvektiven Systemen benötigten Verteilsysteme sollten möglichst gut gedämmt sein, auf effiziente Pumpen setzen und geringe interne Druckverluste aufweisen. Für einen effizienten Betrieb sollte stets geprüft werden, ob eine zeitabhängige und bedarfsgerechte Temperaturregelung eingesetzt werden kann.

Weitere Informationen und einen Heizungsvergleich finden Sie auf der Seite Heizung.

Im Bereich Gebäudekühlung sind Einsparungen bis zu 30 Prozent möglich. Sie können sparen, indem Sie bei der Auswahl der Kälteerzeugung die folgende Reihenfolge beachten:

1. Freie Kühlung (z. B. mit Außenluft)

2. Nutzung von Grundwasser oder Einsatz geothermischer Kühlung

3. Abwärme-betriebene Absorptions- und Adsorptionskältemaschinen

4. hocheffiziente Kompressionskältemaschinen


So kommen Sie zu einem effizienten Kühlungssystem

Vorab-Check:

  • Prüfen Sie das Temperaturniveau und die Nutzungszeiten und optimieren Sie diese gegebenenfalls.
  • Minimieren Sie den Wärmeeintrag in den zu kühlenden Bereich, z. B. durch Dämmmaßnahmen, Sonnenschutz und Verringerung interner Wärmelasten.

Technische Optimierung:

  • Hybride Systeme zur Umstellung auf Freikühlung im Winter
  • Kälte-Verteilsysteme mit Dämmung, geringen Druckverlusten und effizienten Pumpen
  • Kältespeicher oder Speichervermögen der Gebäudehülle
  • Abwärmenutzung aus den Kühlaggregaten
  • Stromversorgung mit erneuerbaren Energien, insbesondere Photovoltaik, da hoher Raumkältebedarf mit der Sonneneinstrahlung korreliert.

Wichtig im Betrieb:

  • eine optimale Einstellung und Regelung aller Komponenten im Rahmen eines Gesamtkonzepts
  • regelmäßige Wartung, insbesondere auch Reinigung von Wärmeübertragern und Rückkühlern

Lufttechnische Anlagen zur Versorgung von Räumen oder Prozessen weisen Einsparpotenziale von bis zu 25 Prozent auf. Wesentliche Optimierungsansätze sind:

  • Verbrauchte Luft soll möglichst nah an relevanten Emissionsquellen abgesaugt werden.
  • Der Luftvolumenstrom soll an den Bedarf angepasst sein, z. B. über drehzahlgeregelte Ventilatoren und Neueinstellung bei Nutzungsänderungen.
  • Nutzen Sie nur so viel Luftaufbereitung wie nötig und so wenig wie möglich, z. B. bezüglich Feuchtegehalt.
  • Optimieren Sie die Strömungsverläufe in Räumen, z. B. Frischluftzufuhr in Bodennähe und Absaugung im Deckenbereich.
  • Setzen Sie sinnvolle Steuerung ein, z. B. anhand von Raumluftparametern und Anlagenzuständen oder mithilfe von Zeitsteuerung oder Präsenzmeldern.
  • Vermeiden Sie Verluste im Verteilsystem, d. h. Verringerung von Druckverlusten (z. B. durch zu geringe Leitungsquerschnitte und verzweigte Kanäle, zu kleine und verschmutzte Filter, Leckagen oder Einbauteilen).
  • Abluftanlagen transportieren zur kalten Jahreszeit Wärme nach draußen. Hier bietet sich die Wärmerückgewinnung aus der Abluft an, die dann der Zuluft wieder zugeführt wird.
  • Achten Sie unbedingt auf die regelmäßige Wartung und Instandhaltung (z. B. der Filter), um einen effizienten Betrieb zu sichern.

In Bayern gibt es neben der Sonnenenergie viele weitere Möglichkeiten zur Nutzung erneuerbarer Energien.

Sonnenenergie
Prüfen Sie, ob sich der Einsatz einer Photovoltaikanlage zur Stromerzeugung oder einer Solarthermieanlage zur Wärmeerzeugung bei Ihnen lohnt. Photovoltaikanlagen sind besonders rentabel, wenn Sie möglichst viel vom erzeugten Strom selbst vor Ort verbrauchen. Auch der Einsatz eines Stromspeichers kann für Sie interessant sein. Für eine erste Einschätzung des Potenzials können Sie sich in den Energie-Atlas-Karten die Globalstrahlung vor Ort ansehen. Auf der Seite Sonne finden Sie Informationen zur Planung, Genehmigung und Umsetzung.

Windenergie
In Bayern gibt es an vielen Standorten ausreichende Windgeschwindigkeiten für den Betrieb von Windenergieanlagen. Prüfen Sie, ob an Ihrem Standort Potenzial besteht und eine Windenergieanlage genehmigungsfähig ist. In den Energie-Atlas-Karten können Sie sich für eine erste Einschätzung die mittlere Windgeschwindigkeit vor Ort ansehen. Auf der Seite Wind finden Sie Informationen zur Planung, Genehmigung und Umsetzung.

Geothermie
Bei der Wärme- und Kälteversorgung können Sie auf Geothermie und Grundwasser setzen. Ob es bei Ihnen vor Ort Potenziale gibt, können Sie mit dem Standortcheck Geothermie in den Energie-Atlas-Karten herausfinden. Auf der Seite Geothermie finden Sie Informationen zur Planung, Genehmigung und Umsetzung.

Bioenergie
Wenn Sie auf Bioenergie setzen möchten, haben Sie gerade in Bayern gute Möglichkeiten. Setzen Sie dabei unbedingt auf regional verfügbare Bioenergie, also Biomasse aus bayerischen Wäldern und Biogas aus der Umgebung. Auf der Seite Biomasse finden Sie Informationen zur Planung, Genehmigung und Umsetzung.