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Gebietskulisse Windkraft als Umweltplanungshilfe für Kommunen

Die Gebietskulisse Windkraft weist bayernweit Flächen aus, in denen Windenergienutzung voraussichtlich möglich ist. Über 40 Kriterien wurden eingearbeitet und die Flächen immissions- und naturschutzfachlich vorgeprüft. Weitere, örtlich bedeutsame Aspekte bringen die Kommunen ein, wenn sie die Windenergienutzung konkret planen - die Gebietskulisse Windkraft dient dabei als Umweltplanungshilfe. Die Gebietskulisse Windkraft basiert auf Windgeschwindigkeiten in 140 m Höhe aus dem Bayerischen Windatlas (Stand: 2010).
Eine Aktualisierung auf Grundlage des neuen Bayerischen Windatlasses ist geplant.

Was zeigt die Gebietskulisse Windkraft?
Die Gebietskulisse Windkraft ist eine Karte im Maßstab 1:100.000. Sie weist ausreichend windhöffige Flächen aus, in denen die Nutzung von Windenergie unter Umweltaspekten voraussichtlich möglich ist. Daher gehen nur Flächen mit einer Windgeschwindigkeit über 4,5 m/s in 140 m Höhe in die Gebietskulisse Windkraft ein (Bayerischer Windatlas, 2010).

Folgende Flächenkategorien werden unterschieden:
Grün: Hier ist Windenergienutzung voraussichtlich möglich. Dabei wird noch einmal nach der Windhöffigkeit unterschieden: hellgrün - mittlere Windgeschwindigkeit von 4,5 bis 4,9 m/s in 140 m Höhe, dunkelgrün - 5 m/s und mehr in 140 m Höhe.
Gelb: Auf diesen Flächen ist Windenergienutzung nur im Einzelfall eventuell möglich.

Orange: In Vogelschutzgebieten nach den europäischen Schutzbestimmungen ist die Windenergienutzung ausgeschlossen, wenn Erhaltungsziele erheblich beeinträchtigt werden.

Rot: Windenergienutzung ist hier voraussichtlich nicht möglich.
Wie wurde die Gebietskulisse erstellt und auf welchen fachlichen Grundlagen basiert sie?
Für die Gebietskulisse Windkraft wurden Umwelt-Fachdaten aus 47 Themenbereichen mit einem Geographischen Informationssystem (GIS) verrechnet: So wurden um Siedlungen herum Abstände eingearbeitet, die z. B. im Hinblick auf den Lärmschutz als unproblematisch erachtet werden. Auch Natur-, Landschafts- und Vogelschutzgebiete und andere Aspekte des Naturschutzes wurden berücksichtigt, ebenso Belange des Trinkwasserschutzes, der Rohstoffsicherung und des Erdbebendienstes.
Im Hinblick auf eine effiziente naturschutzfachliche Vorprüfung wurden auch Abstände zu Verkehrswegen (in Abstimmung mit der Obersten Baubehörde) sowie zu Hochspannungsleitungen und Umspannwerken (in Abstimmung mit den Netzbetreibern) berücksichtigt. Sie basiert auf Windgeschwindigkeiten in 140 m Höhe aus dem Bayerischen Windatlas (Stand: 2010).
Darüber hinaus kann man sich weitere, für die Windenergienutzung relevante Daten im Kartenteil des Energie-Atlas anzeigen lassen (unter Windenergie - Planungsgrundlagen).

Übersicht der Datensätze, die in die Berechnung der "Gebietskulisse Windkraft" eingeflossen sind

Die Flächen der Gebietskulisse Windkraft wurden immissions- und naturschutzfachlich vorgeprüft. Grundlage dafür bilden die Vorgaben der "Hinweise zur Planung und Genehmigung von Windkraftanlagen (Windenergie-Erlass Bayern)" vom 20.12.2011.

Hinweis:
Abstände zu militärischen Schutzbereichen, seismologischen Stationen der BGR, Wetterradarstationen des DWD sowie landschaftsprägenden Denkmälern wurden nicht in die Berechnung der Gebietskulisse Windkraft mit einbezogen. Sie können sich diese Layer jedoch zusätzlich zur Gebietskulisse im Energie-Atlas anzeigen lassen.
Wozu dient die Gebietskulisse Windkraft?
Die Gebietskulisse Windkraft ist eine bayernweite Umweltplanungshilfe für Kommunen im Maßstab der Regionalplanung (1:100.000). Sie soll dem Thema "Windenergienutzung" zur Orientierung und ersten umweltschutzfachlichen Übersicht dienen, z. B. im Hinblick auf Bauleitpläne, die die Planungen detaillierter bis hin zu konkreten Einzelflächen darstellen. Als verbindliche Planungsgrundlage sind dabei die Regionalpläne zu beachten. Die Gebietskulisse Windkraft greift nicht in die Planungshoheit der Kommunen ein. Letztlich wird im Genehmigungsverfahren rechtsverbindlich entschieden, ob bzw. wo eine Windenergieanlage gebaut werden kann.

Im Zuge dieser kommunalen Planungen sind je nach regionalen Besonderheiten weitere Kriterien zu berücksichtigen: Zum Beispiel können Fernmeldeeinrichtungen, Richtfunkstrecken, militärische Belange, unterirdische Kabel- und Leitungstrassen, luftverkehrsrechtliche Aspekte, Festlegungen der Regionalplanung, Untersuchungsraum Straßenneubau, Überschwemmungs- und Hochwasserschutzgebiete relevant sein. Auch die Topographie und weitere lokale Besonderheiten spielen möglicherweise eine Rolle.

Für die ökonomische Standortbeurteilung ist u.a. die Erstellung eines Windgutachtens unerlässlich, um den zu erwartenden Windertrag zu ermitteln. Die mittlere Windgeschwindigkeit kann einen ersten Anhaltspunkt liefern, reicht allein jedoch nicht aus.
Ist die Windenergienutzung in Landschaftsschutzgebieten möglich?
Die Windenergienutzung in Landschaftsschutzgebieten ist grundsätzlich erst nach einer Verordnungsänderung möglich, da die Verordnung in der Regel für die Errichtung baulicher Anlagen ein Erlaubnisverfahren vorsieht und diese Erlaubnis nur erteilt werden kann, wenn der Schutzzweck durch die Errichtung der Anlage nicht beeinträchtigt wird, was bei der Errichtung einer Windenergieanlage regelmäßig der Fall sein wird.

Vorrangig sollen die sog. "grünen Flächen" außerhalb der Landschaftsschutzgebiete genutzt werden. Reicht das Flächenangebot allerdings nicht aus, hat der Verordnungsgeber zwei Möglichkeiten, die Zulassung von Windenergieanlagen im Landschaftsschutzgebiet zu regeln: das ist zum einen die Herausnahme von Flächen aus dem Landschaftsschutzgebiet, wodurch sich aber das Risiko einer immer stärkeren Zerstückelung des Schutzgebietes erhöht und in Naturparken zu einer Reduzierung des Anteils der Schutzzonen an der Naturparkfläche führen kann.
Zum anderen hat der Windenergieerlass Bayern als Alternative hierzu die Möglichkeit der Zonierung von Landschaftsschutzgebieten und von Landschaftsschutzgebieten (Schutzzonen) in Naturparken geschaffen. Ein Zonierungskonzept stellt durch eine gründliche planerische Abwägung den Erhalt des Schutzzwecks sicher. Die Zonierung kann als Zwei- oder Dreizonenkonzept erfolgen, in Form von Ausschluss- und Ausnahmeflächen und ggf. von zusätzlichen Flächen mit Einzelfallprüfung. Verordnungsgeber sind die Landkreise, kreisfreien Gemeinden bzw. die Bezirke.

Im Modellprojekt Altmühltal wurde beispielhaft ein Zonierungskonzept für den Naturpark Altmühltal erstellt - ausgerichtet auf die Vereinbarkeit der Schutzziele mit der Windenergienutzung - erarbeitet.

Naturpark Altmühltal:
Modellprojekt „Standortfindung für Windkraftanlagen im Naturpark Altmühltal" (Zonierungskonzept)
Wie geht es weiter?
Seit Mitte Mai 2012 steht die Gebietskulisse Windkraft als Umweltplanungshilfe öffentlich zur Verfügung. Sie wird in unregelmäßigen Zeitabständen fortgeschrieben (Neuberechnung in Abhängigkeit von z. B. aktualisierten Datengrundlagen) oder durch Zusatzinformationen im Energie-Atlas Bayern ergänzt.

Aktualisierungen können beispielsweise betreffen:
Rückmeldungen von Kommunen

Flächendeckend aktualisierte Winddaten

Zonierungen von Landschaftsschutzgebieten

Neue Fachgrundlagen wie z. B. zum Artenschutz und zum Landschaftsbild

Eine Aktualisierung auf Grundlage des neuen Bayerischen Windatlasses ist geplant.

Nutzung der Gebietskulisse Windkraft

Aufgrund des bayernweiten Ansatzes wurde die Gebietskulisse Windkraft ohne ergänzende Luftbildauswertung und Begehungen vor Ort durchgeführt. Die Gebietskulisse Windkraft erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit und soll allein einer ersten Orientierung dienen. Sie ist keine amtliche Auskunft, keine Zusage und ersetzt nicht das immissionsschutzrechtliche oder andere Genehmigungsverfahren. Sie basiert auf Windgeschwindigkeiten in 140 m Höhe aus dem Bayerischen Windatlas (Stand: 2010). Ein Rechtsanspruch lässt sich aus der Gebietskulisse Windkraft nicht ableiten. Wer die Gebietskulisse Windkraft nutzt, erklärt damit seinen Verzicht auf Ersatzansprüche aller Art. Die Gebietskulisse Windkraft greift nicht in die Planungshoheit der Kommunen ein.

Erläuterungen und Nutzungsbedingungen "Gebietskulisse Windkraft"

Militärische Schutzbereiche

Militärische Schutzbereiche sind bei der Planung und Errichtung von Windrädern zu beachten.
mehr

Ziviler Luftverkehr

Bei Planung und Errichtung von Windrädern sind auch zivile luftverkehrsrechtliche Aspekte zu beachten.
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Messstationen

Die Abstände zu Erdbebenmessstationen und Wetterradarstationen finden Sie hier.
mehr

Denkmäler

Informationen zu Denkmälern und Windenergienutzung finden Sie hier.
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Gebietskulisse Windkraft

kleines bayern

Hier geht es zur Karte, bitte geben Sie Ihren Ortsnamen ein...

Gebietskulisse Windkraft (nur günstige Gebiete)

kleines bayern

Hier geht es zur Karte, bitte geben Sie Ihren Ortsnamen ein...

Links und Downloads

Bayerische Staatsregierung:
Windenergie-Erlass Bayern 2011
Windenergie-Erlass Bayern 2016
Hinweis: Der aktualisierte Windenergie-Erlass 2016 tritt am 1. September 2016 in Kraft. Bis dahin gilt die Version aus dem Jahr 2011.
Anlage Luftverkehr zum Windenergie-Erlass Bayern
Schreiben der Bayerischen Staatsministerien für Umwelt und Verbraucherschutz, des Innern, für Bau und Verkehr und für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie:
Unwirtschaftlichkeit und umzingelnde Wirkung von Windkraftanlagen; Abstände
Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie (StMWi):
Broschüre "Bayerischer Windatlas"
Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU):
Merkblatt "Trinkwasserschutz bei Planung und Errichtung von Windkraftanlagen"
Deutscher Wetterdienst (DWD):
Informationen zur Errichtung von Windenergieanlagen im Nahbereich der Messsysteme des Deutschen Wetterdienstes
Naturpark Altmühltal:
Modellprojekt „Standortfindung für Windkraftanlagen im Naturpark Altmühltal" (Zonierungskonzept)