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Vorsorge und Minimierungsmöglichkeiten

Im Rahmen des Netzausbaus nennt das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) als beste Vorsorgemaßnahme die Exposition durch niederfrequente elektrische und magnetische Felder so gering wie möglich zu halten. Deshalb sollten neue Stromtrassen aus Sicht des Strahlenschutzes so geplant werden, dass sie zu einer möglichst kleinen zusätzlichen Exposition führen. Zudem weist das BfS darauf hin, dass es viele Möglichkeiten gibt, die Einwirkung niederfrequenter elektrischer und magnetischer sowie hochfrequenter elektromagnetischer Felder individuell zu verringern.

Immissionsschutzrechtliche Abstandsregelungen

In der 26. Verordnung zum Bundesimmissionsschutzgesetz (26. BImSchV) sind Grenzwerte für die elektrischen und magnetischen Felder der Stromversorgung festgelegt, die eingehalten werden müssen. Die dazu 2016 veröffentlichte "Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Durchführung der Verordnung über elektromagnetische Felder" (26. BImSchVVwV) definiert einerseits den sogenannten Einwirkungsbereich um Anlagen. Das ist der Abstand, in dem eine Anlage einen sich signifikant von der Hintergrundbelastung abhebenden Immissionsbeitrag verursacht. Andererseits kennt sie den Begriff des Bewertungsabstands. Ab dem Bewertungsabstand ist davon auszugehen, dass der Grenzwert auch unter Berücksichtigung weiterer relevanter Quellen sicher eingehalten wird. Der Bewertungsabstand beträgt

  • bei einer 380-kV-Leitung 20 m zur Bodenprojektion des ruhenden äußeren Leiters,
  • bei einer Höchstspannungsgleichstromfreileitung 35 m zur Bodenprojektion des ruhenden äußeren Leiters und
  • bei einem Höchstspannungsgleichstromkabel (Trassenbreite ca. 20 m) 5 m zum ruhenden äußeren Leiter.

Der Schutz von Implantatträgern (z. B. Menschen mit Herzschrittmachern) wird damit indirekt ebenfalls gewährleistet.

Abbildung zum Bewertungsabstand
  • Die Grafik zeigt schematisch, wie sich der Bewertungsabstand ergibt. Ab diesem Abstand wird der Grenzwert sicher eingehalten. (Quelle: Energie-Atlas Bayern)
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Vorsorgemaßnahmen

Stromdurchflossene Leiter verursachen elektrische und magnetische Felder. Die Höhe der Felder ist abhängig von der jeweils vorherrschenden Spannung und dem vorherrschenden Strom, wobei auch die Anordnung der einzelnen Leiterseile zueinander (Verlegung im Boden bei Kabeln bzw. Mastform bei Freileitungen) einen Einfluss hat.

Die Felder können grundsätzlich durch folgende Parameter verringert werden:

  • geringere Abstände der Leiter zueinander
  • zunehmender Abstand zu den Leitungen
  • größere Verlegetiefe bei Erdkabeln
  • höhere Aufhängung (geringerer Durchhang) der Leiterseile
  • optimale Phasenfolge
  • Abschirmungsmaßnahmen (Kabelummantelungen)

Den meisten dieser Parameter sind allerdings natürliche, betriebliche oder wirtschaftliche Grenzen gesetzt. Bei Freileitungen etwa dient die Luft, die die Leiterseile umgibt als Isolation zwischen den Phasen. Werden sie dichter verlegt, kann es zu elektrischen Überschlägen kommen. Außerdem bedeuten eng zusammen verlaufende Leiterseile eine größere Gefahr für Vögel. Höher verlaufende Freileitungen erfordern höhere Masten, die sich stärker auf das Landschaftsbild auswirken und mehr Stahl sowie stabilere Fundamente erfordern. Dadurch verteuert sich wiederum die Baumaßnahme.

Bei Erdkabeln bedeutet bereits jede geringe Zunahme der Verlegetiefe einen erheblichen baulichen Mehraufwand, sodass in der Praxis Tiefen zwischen 0,5 m (innerörtliches Niederspannungsnetz) und 2 m (Höchstspannungskabel) üblich oder geplant sind.

Nach dem Stand der Technik können 110-kV-Erdkabel so eng verlegt werden, dass die resultierende Magnetfeldstärke dadurch sehr gering wird.
Bei 380-kV-Erdkabeln und Gleichstromkabeln mit vergleichbaren oder höheren Spannungen müssen dagegen zur Sicherstellung der Wärmeableitung der Kabel die einzelnen Leiter mit einer entsprechenden größeren Entfernung zueinander verlegt werden; dadurch erhöht sich die Magnetfeldstärke.

Mit Einhaltung der gesetzlichen Grenzwerte sind – unabhängig von der Übertragungstechnik – keine negativen Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung zu erwarten.