Kontrast Gebärdensprachvideo Leichte Sprache Informationen zur Schriftgröße

Vorsorge und Minimierungsmöglichkeiten

In seinen aktuellen Empfehlungen zur Vorsorge beim Netzausbau weist das Bundesamt für Strahlenschutz darauf hin, dass als beste Maßnahme zur Vorsorge die Exposition durch niederfrequente elektrische und magnetische Felder so gering wie möglich zu halten ist. Deshalb sollten neue Stromtrassen aus Sicht des Strahlenschutzes so geplant werden, dass sie möglichst nicht zu einer zusätzlichen Exposition führen. Zudem weist das BfS darauf hin, dass es viele Möglichkeiten gibt, die Einwirkung niederfrequenter elektrischer und magnetischer sowie hochfrequenter elektromagnetischer Felder individuell zu verringern.

Die vom Länderausschuss für Immissionsschutz (LAI) 1998 veröffentlichten „Hinweise zur Durchführung der Verordnung über elektromagnetische Felder“ definieren den sogenannten Einwirkungsbereich um Anlagen. Das ist der Abstand, in dem die Anlage einen sich signifikant von der Hintergrundbelastung abhebenden Immissionsbeitrag verursacht und ab dem davon auszugehen ist, dass der Grenzwert auch unter Berücksichtigung weiterer relevanter Quellen sicher eingehalten wird. Bei einer 380-kV-Leitung wird diese Bedingung erfüllt bei einem Abstand von 20 m zur Bodenprojektion des äußeren ruhenden Leiters. Bei den vom LAI empfohlenen Abständen kann in der Regel von einer Unterschreitung des Grenzwertes für das magnetische Feld um den Faktor 10 (10 μT) ausgegangen werden. Der Schutz von Implantatträgern wäre damit indirekt ebenfalls gewährleistet.

Auch das Bundesverfassungsgericht hat sich mit der Frage der Vorsorge befasst. Demnach besteht keine Pflicht des Staates zur Vorsorge gegen rein hypothetische Gefahren. Die geltenden Grenzwerte können nur dann verfassungsrechtlich beanstandet werden, wenn erkennbar ist, dass sie die menschliche Gesundheit völlig unzureichend schützen (BVerfG, 1BvR 1676/01 vom 28.02.2002).

Für alle Teile der Bevölkerung, die für sich mehr als den staatlichen Schutz durch Grenzwerte wünschen, bietet die Bayerische Staatsregierung beispielsweise schon seit mehr als 10 Jahren umfangreiche Informationsmaterialien, Messungen, Dialog und Beteiligung der Kommunen im Bereich der Mobilfunk-Standortsuche an.

Die Höhe der elektrischen und magnetischen Felder ist bei der Erdverkabelung vor allem abhängig von der Art der Verlegung, bei Freileitungen von der Mastform.
Allgemein ist das magnetische Feld abhängig von der Höhe des Stromes und das elektrische Feld von der Leiter/Erde-Spannung.

Daher können die Felder durch folgende Parameter verringert werden:

  • geringere Abstände der Leiter zueinander
  • zunehmender Abstand zu den Leitungen
  • größere Verlegetiefe bei Erdkabeln (nur begrenzt möglich)
  • höhere Aufhängung (geringerer Durchhang) der Leiterseile
  • optimale Phasenfolge
  • Abschirmungsmaßnahmen (Kabelummantelungen)

Nach dem Stand der Technik können 110-kV-Erdkabel so eng verlegt werden, dass die resultierende Magnetfeldstärke dadurch sehr gering wird.
Bei 380-kV-Erdkabeln müssen zur Sicherstellung der Wärmeableitung der Kabel die einzelnen Leiter mit einer entsprechenden größeren Entfernung zueinander verlegt werden; damit erhöht sich die Magnetfeldstärke. Untersuchungen mit unterschiedlichen Materialien, die die Wärmeleitfähigkeit erhöhen um damit ein näheres Zusammenlegen der 380-kV-Leitungen zu ermöglichen, laufen noch.