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Mit Windenergie gegen Schulden

Errichtung und Betrieb eines interkommunalen Windrads trotz angespannter Haushaltslage.

Projektträger: Gemeinde Bidingen

Projektstandort

Bidingen

Bidingen_georeferenzierung

Kontakt

Gemeinde Bidingen
Franz Martin
1. Bürgermeister
Dorfstraße 8
87651 Bidingen
Tel: (08348) 244
martin[at]bidingen.bayern.de

Nutzen und Kosten

besonders wirkungsvoll – hoher Nutzen für die Umwelt
Die Windenergieanlage leistet einen wichtigen Beitrag zur sauberen Stromerzeugung.

Nutzen: Das Projekt generiert einen jährlichen Gewinn in Höhe von 50.000 bis 250.000 €.

Kosten: Gesamtkosten: 4,7 Mio. Euro
  Weitere Angaben: Das Projekt wurde zu 100 % mit Fremdkapital in Form eines Bankkredits finanziert.
Fotos
  • Das Gemeindewindrad von Bidingen/Ingenried in der Nähe des Ortsteils Königsried. (Quelle: Energie-Atlas Bayern)
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(insgesamt 1 Bilder)

Beschreibung

Auslöser
Im Jahr 2009 kam in der Gemeinde Bidingen die Idee auf, ein Gemeindewindrad errichten zu lassen. Zum Teil spielten ökologische Aspekte eine Rolle, maßgeblich war es aber der finanziell angespannten Situation von Bidingen zuzuschreiben, dass im Jahr 2010 die erste Wirtschaftlichkeitsberechnung für den Bau eines Windrads erfolgte. Im weiteren Verlauf wurde die Nachbargemeinde Ingenried mit in das Projekt einbezogen.
Durchführung
Ziel des Projekts war es, jedes Jahr einen sicheren Gewinn zu erwirtschaften. Zuvor musste jedoch die Frage nach dem geeigneten Grundstück und dem Transport geklärt werden. Für zwei Standorte wurde eine Bauleitplanung erstellt und der Windradtyp ENERCON E101 festgelegt.
Um den erzeugten Strom zu den Haushalten zu bringen, wurde vom Netzbetreiber (LEW) beschlossen, ein Umspannwerk zu bauen. Gleichzeitig mussten Gutachten für den Artenschutz und die Windstärke in Auftrag gegeben und angefertigt werden. Im weiteren Fortschreiten des Projekts wurde das Vorhaben einer genauen Wirtschaftlichkeitsprüfung unterzogen.
Das Gesamtinvestitionsvolumen belief sich auf 4,7 Mio. €, die jährlichen Einnahmen betragen etwa 560.000 € mit Betriebskosten zwischen 50.000 und 150.000 €. Ein Gewinn von 50.000 bis 250.000 € wurde prognostiziert. Da die Kommune selbst keine Mittel für die Finanzierung zur Verfügung stellen konnte, musste das Projekt zu 100 % mit Fremdkapital in Form eines Bankkredits finanziert werden. Die Tilgungszeit beträgt 20 Jahre bei einem festen Zinssatz. Damit der Kredit genehmigt werden konnte, musste jedoch erst die Kommunalaufsicht von der Wirtschaftlichkeit des Projekts überzeugt werden. Die Lösung war, während der Bauphase einen Kassenkredit mit einem Zinssatz von 0,8 % und anschließend eine Kombination aus Bausparvertrag und Ratenzahlung aufzunehmen. Der Effektivzins belief sich dabei auf 2,3 %.

Die wirtschaftliche Betätigung von Kommunen in Bayern wird durch die Gemeindeordnung limitiert. Deshalb darf eine Gemeinde nicht mehr Strom mit der Windenergieanlage erzeugen, als im ganzen Gemeindegebiet verbraucht wird. In Bidingen wäre dieser Fall eingetreten und das Projekt drohte somit zu scheitern. Erst eine Zweckvereinbarung mit der Nachbargemeinde Ingenried ermöglichte es, die Beschränkung zu umgehen und das Bauvorhaben 2012 europaweit auszuschreiben. Im gleichen Jahr folgten die Baugenehmigung mit Artenschutz-Auflagen und die Auftragsvergabe.
2013 startete der Bau mit der Zuwegung des Geländes. In den darauffolgenden Wochen und Monaten folgten Fundament, Turm und Übergabestation. Nachdem Gondel, Generator und Flügel montiert wurden, fand im Juni 2014 die erstmalige Inbetriebnahme statt.
2015 wird Bilanz gezogen und die spricht für sich. Die Ausgaben für Wartungsvertrag, Zins und Tilgung belaufen sich auf 375.000 €. Aus den Stromerlösen konnten Einnahmen in Höhe von 600.000 € generiert werden. Daraus ergibt sich ein Reingewinn von
225.000 €. Die Mehrerlöse durch Direktvermarktung betragen ca. 18.000 €.

Aus Sicht der Gemeinde Bidingen ist es für die Planung, Durchführung und den erfolgreichen Abschluss eines derartigen Projekts für eine Kommune von Relevanz, den Gemeinderat im Vorfeld auf seiner Seite zu haben, erfahrene Planer zu gewinnen und das Gemeindewindrad als "Bürgeranlage" zu sehen und zu vermarkten. Hinzuzufügen ist auch, dass Änderungen im Baurecht jederzeit möglich sind und dadurch die Gemeinde ihre Steuerungsmöglichkeit verlieren kann.
Abschließend lässt sich als Zukunftsvision die eigenständige Stromversorgung zum finanziellen Vorteil der Verbraucher formulieren.

Tipps
  • Im Vorfeld den Gemeinderat auf seiner Seite haben
  • Erfahrene Planer gewinnen
  • Gemeindewindrad als Bürgeranlage sehen und vermarkten
Stolpersteine
  • Beschränkung der wirtschaftlichen Betätigung von Kommunen durch die Gemeindeordnung
Auszeichnungen
  • 09/2014: Energie-Kommune
    verliehen von: Agentur für Erneuerbare Enegien, Berlin

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