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Sanierung der Mittelschule Freilassing auf Passivhausniveau

Das Schulgebäude an der Martin-Luther-Straße erhält einen neuen Look und ein zukunftsweisendes Konzept.

Projektträger: Stadt Freilassing

Projektstandort

Freilassing

Freilassing_georeferenzierung

Kontakt

Stadt Freilassing
Markus Hiebl
Projektleiter
Münchener Straße 15
83395 Freilassing
Tel: (08654) 630976
markus.hiebl[at]freilassing.de

Nutzen und Kosten

besonders wirkungsvoll – hoher Nutzen für die Umwelt
In der Gesamtbilanz betrachtet ist das Gebäude aufgrund des extrem niedrigen Energiebedarfs dem aktuellen Stand des Neubaugeschehens um Jahre voraus.
besonders schnell – braucht nicht viel Zeit zur Umsetzung
In der Rekordzeit von nur einem Jahr (August 2010 bis September 2011) wurde die Generalsanierung umgesetzt.

Einsparungen: CO2-Einsparung: 179 t / a
  Energieeinsparung: 90 - 95 % Heizwärmeenergie im Vergleich zu vorher
  Kosteneinsparung: rund 40.000 € / Jahr für Heizwärme

Nutzen: Die Angaben beruhen auf Berechnungen (Stand: 2012). Durch die Photovoltaikanlage kommt bei einer Laufzeit von 20 Jahren noch eine CO2-Einsparung von insgesamt 386 Tonnen hinzu.

Kosten: Gesamtkosten: 6.927.100 € brutto für die Generalsanierung; Gesamtinvestition 8.235.000 Euro
  Weitere Angaben: Die Gesamtmaßnahme mit Interimslösung, Außenanlagen, teilweise neuer Ausstattung, Nahwärmeleitung und PV-Anlage hat 8.235 Mio. Euro gekostet. Darin enthalten sind die Kostengruppen 200 - 700 nach DIN 276.

Förderung: Kredit: 4.214.000 Euro
  Zuschuss: 4.172.500 Euro
  Fördergeber: Bund/Land (Investitionspakt 2008 gem. ENModIn, Art. 10 FAG, Sonderprogramm FAG Plus 15, Berchtesgadener Landesstiftung)
Fotos
  • Ansicht der Mittelschule Freilassing vor der Sanierung (Quelle: Stadt Freilassing)
  • Aula und Bücherei bei Nacht (Quelle: Sven Huber)
  • Ansicht der Mittelschule Freilassing nach der Sanierung (Quelle: Stadt Freilassing)
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(insgesamt 3 Bilder)

Beschreibung

Auslöser
Bereits im Planungsstadium wurde dem Thema energiesparendes Bauen ein Hauptaugenmerk gewidmet. Das Ergebnis dieser Überlegungen ist der Beschluss des Stadtrats, aus dem seit 1973/74 bestehenden Gebäude ein Passivhaus zu entwickeln – ein Vorhaben, das im weiten Umkreis bisher einzigartig ist.

Das Planer-Team und die Stadt waren sich einig, in allen Bereichen nicht nur von Energieeinsparungen zu reden, sondern zu beweisen, dass sie möglich sind. Für verschiedene Raum- und Anlagengruppen wurden Stromzähler eingebaut, um den Nachweis der Energiereduzierung und Erreichen der Ziele eines Passivhauses dauerhaft erbringen zu können.

Beteiligte an dem Projekt waren die Stadt Freilassing, vertreten durch den Ersten Bürgermeister Josef Flatscher und den Projektleiter Markus Hiebl, sowie die Architekten und Planer.
Durchführung
Im Rahmen einer Generalsanierung wurde das bestehende Gebäude von 1973/74 umgebaut, erweitert, instandgesetzt und energetisch optimiert. Insbesondere wurden die Räume für die Verwaltung vergrößert und zusätzliche Räume wie Speisesaal und Aula mit Bühne geschaffen. Durch den Einbau eines Aufzugs wurde das Gebäude barrierefrei ausgestattet.

Der Gebäudebestand wurde bis auf das Stahlbetonskelett komplett entkernt und mit einer neuen Hülle (Außenwände, Dächer, Fenster) sowie einem vollständig neuen Innenausbau und neuen haustechnischen Anlagen ausgestattet. Der Energiebedarf für Heizwärme fällt durch die energetische Sanierung von ca. 850.000 Kilowattstunden jährlich auf 52.000 Kilowattstunden, also um ungefähr 94 Prozent!

Keine Heizungsanlage mehr nötig
Nach dem Umbau hat das Gebäude keine klassische Heizungsanlage mehr, das heißt keinen Wärmeerzeuger und keine Heizflächen. Eine Lüftungsanlage versorgt die Räume im Winter ständig mit warmer und im Sommer mit kühler Frischluft. Die Energie zur Erwärmung der Luft kommt im Wesentlichen von der Sonne durch die Fenster, von den Menschen, die sich im Gebäude aufhalten, und von den elektrischen Anlagen, die Abwärme erzeugen. Nur ein kleiner Rest muss tatsächlich eingespeist werden – von der nahe gelegenen Grundschule des Ortes. Der Verbrauch von Warmwasser wird auf das absolut nötigste Maß reduziert und an den Zapfstellen dezentral elektrisch erzeugt. Die energiefressende Speicherung und Nachheizung von warmem Wasser entfällt somit komplett.

Intelligente Nutzung der Sonnenenergie
Für die oben beschriebene Regulierung des Energieeintrags durch die Fenster wurden besondere Sonnenschutzanlagen eingebaut: halbtransparente senkrecht drehende Metall-Lamellen folgen computergesteuert dem Sonnenlauf. Im Winter lassen sie die Sonnenenergie optimal eintreten, im Sommer wirken sie als Verschattung.
Einen wichtigen Beitrag zur Energiebilanz leistet die Photovoltaik-Anlage, die auf der nach Süden ausgerichteten Dachfläche installiert ist. Die Gesamtleistung der Module beträgt ca. 28 kWp. Die erzeugte Solarenergie wird in der Regel komplett im Schulhaus selbst verbraucht. Eine Ausnahme sind die Sommerferien.

Ausgeklügeltes Beleuchtungssystem
Ob in Klassenräumen, den Fluren, in der Verwaltung oder dem Schülercafé, zur Energieeinsparung wird die gesamte Beleuchtung nahezu automatisch, mit der Möglichkeit eines Eingreifens der Nutzerinnen und Nutzer, über eine Bus-Steuerung geregelt. Anwesenheits- und Lichtsensoren steuern die künstliche Beleuchtung entsprechend den vorgegebenen Helligkeitswerten, dem Bedarf und in Ergänzung zum einfallenden Tageslicht nach oben und unten.

Dämmung
Eine besondere Lösung wurde auch für die Dämmung der Bodenplatte gefunden: Vakuum-Isolations-Paneele (VIP) ermöglichen eine hohe Wärmedämmung bei sehr geringer Dicke, sodass die Bodenplatte nicht ausgetauscht werden musste. Zusätzlich wurde eine Luftdichtheitsprüfung ("Blower Door Test") durchgeführt. Inhalt der Prüfung ist jeweils die Messung der Lüftungsverluste bei Über- und Unterdruck und die Suche nach Leckagen. Das erreichte Ergebnis in der Mittelschule Freilassing ergab einen Wert von 0,26 pro Stunde (Luftwechsel pro Stunde bei 50 Pascal Druck). Damit wird sogar der Maximalwert des Passivhauses von 0,60 pro Stunde unterschritten.

Allgemein wird ein Energiemonitoring mit Hilfe der MSR-Technik durchgeführt. Die Wärmemengen für die Heizregister der Lüftungsanlage werden erfasst. Ebenso werden die Stromverbräuche getrennt nach Anlagentechnik und einzelnen Verbräuchen, wie z. B. Lüftung oder Beleuchtung, aufgezeichnet.
Zitate
"Die Mittelschule ist nicht nur Arbeits- und Lehrstätte, sondern Lebens- und Aufenthaltsbereich. Durch die Harmonie von Form, Farbe und moderner Energetik im Außen- und Innenbereich ergibt sich eine unmittelbare Wirkung auf das Gemüt, die Nerven und die Energie der Schülerinnen und Schüler mit ihren Lehrkräften." (Josef Flatscher, Erster Bürgermeister)
Tipps
  • Das gesamte Team sollte von Beginn an – Projektphase 0 – zusammenarbeiten. Wichtig sind der regelmäßige Abgleich von praktischen Erfahrungen und Erkenntnissen über den Bedarf und die Nutzungsintensität mit den theoretischen Berechnungsmodellen (hier PHI-Modellrechnungen). Die Simulationen und Berechnungen sollten regelmäßig im Rahmen des jeweiligen Planungsstandes und abschließend mit dem Bestand abgeglichen werden. Ein Monitoring über die ersten "Betriebsjahre" sollte neue Zahlen für den Soll-Ist-Vergleich der theoretischen Ermittlungen gegenüber den praktischen Werten liefern.
Stolpersteine
  • Ein großer Stolperstein stellt der Übergang zwischen Ausführungsplanung und endgültiger Beauftragung dar. Die qualitativen Anforderungen an den energetischen Standard der Gebäudehülle und an die Anlagentechnik werden hier teilweise neu konzipiert. Auch hier ist die Implementierung in die Simulationsberechnungen erforderlich.
Auszeichnungen
  • 11/2012: Kommunaler Klimaschutz 2012
    verliehen von: Service- und Kompetenzzentrum: Kommunaler Klimaschutz
  • 09/2012: Label "Good Practice Energieeffizienz"
    verliehen von: Deutsche Energie-Agentur (dena)
  • 05/2012: 1. Sparkassen-Energiepreis (2. Platz)
    verliehen von: Sparkasse Berchtesgadener Land

Beispiel gemeldet:08/2014 

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