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Themenpark "Energie und Umwelt" plant Aufarbeitung des Themas Altlasten in der Umwelterziehung

Mehrere Arten Erneuerbarer Energien dienen als Anschauungsobjekte und zur Energieversorgung.

Projektträger: Servicebetriebe Öffentlicher Raum Nürnberg SÖR

Projektstandort

Nürnberg

Nürnberg_georeferenzierung

Kontakt

Ingo Hirsemann
Bauhof 2
90402 Nürnberg
Tel: (0911) 2314594
ingo.hirsemann[at]stadt.nuernberg.de

Nutzen und Kosten

besonders kostengünstig – mit wenig Kapitaleinsatz machbar
Die annähernd energieautarke Betriebsweise der Sanierung erzeugt kaum Energiekosten

Kosten: Gesamtkosten: 5.000.000 Euro

Beschreibung

Auslöser
Der Eigentümer des Grundstückes hat bisher eine Sportstätte für die Nutzung des Geländes vorgesehen und im Flächennutzungsplan ausgewiesen. Wegen der Vielzahl an Grundwassermessstellen und Sanierungsbrunnen kann die vorgesehene Nutzung allerdings mittelfristig nicht umgesetzt werden. Als Zwischennutzung wird die Fläche derzeit gelegentlich als Ausweichparkplatz bei Großveranstaltungen herangezogen. Dem Grundstücksbesitzer liegt eine Anfrage eines gemeinnützigen Trägers zur Errichtung einer Kindertagesstätte (KiTa) vor. Aktuell haben die Servicebetriebe Öffentlicher Raum Nürnberg (SÖR) ein Gutachterbüro mit der Prüfung beauftragt, ob und wie diese geplante Nutzung in ein umfassendes Sanierungs- und Nachnutzungskonzept integriert werden kann.

Altlastenbezug:

Die ca. 3 Hektar große Fläche des geplanten Themenparks befindet sich auf einem ehemaligen Militärgelände. Sowohl der Gebäudebestand als auch die mit Kriegsschutt aufgefüllten Freiflächen auf dem Gelände wiesen erhöhte Schadstoffgehalte auf. Im Bereich einer ehemaligen Tankstelle wurden Verunreinigung von Boden, Bodenluft und Grundwasser durch organische Schadstoffe (MKW und BTEX-Aromaten) festgestellt.

In der Vergangenheit wurden diverse Altlastensanierungen durchgeführt. Die kontaminierte Gebäudesubstanz wurde zurückgebaut, die Freiflächen entsiegelt, Kriegsaltlasten beseitigt und vorhandene Erdtanks entfernt. Dies ergab eine Menge von ca. 28.000 t kontaminierten Materials, das ordnungsgemäß entsorgt wurde. Weiterhin wurden etwa 2.500 t Boden ausgehoben, 50.000 t Bauschutt-Recyclat und Bodenmaterial wieder rückverfüllt und 3.800 t zusätzliches Bodenmaterial zum Massenausgleich verbaut. In den Jahren 2004 bis 2006 wurden das Grundwasser und die Bodenluft mittels Air-sparging abgereinigt. Zurzeit läuft keine Sanierung mehr auf dem betroffen Gelände.
Durchführung
Zunächst war grundsätzlich zu klären, ob die Flächennutzung durch die KiTa unabhängig von der weiteren Altlastensanierung erfolgen kann. Da der Schadensherd räumlich deutlich von der geplanten KiTa getrennt ist und durch die Bodenaushubmaßnahme kein Gefährdungspotential über den Wirkungspfad Boden-Mensch mehr besteht, gibt es keine prinzipiellen Bedenken gegen den Betrieb der KiTa bei laufender Grundwasssersanierung. Aus Gründen der präventiven Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit und den Eltern der Kindergartenkinder wurde entschieden, mit der Altlastenthematik und den Sanierungsmaßnahmen offen umzugehen.

In einem nächsten Schritt wurde die Chance erkannt, das Thema Altlasten im Rahmen der Umwelterziehung thematisch aktiv mit der Kindertagesstätte zu verknüpfen. Parallel laufende Sanierungsuntersuchungen haben bestätigt, dass die Altlast in absehbarer Zukunft wieder aktiv saniert werden muss. Daher ist das vorhandene Messstellennetz zugänglich zu erhalten.

Um die Fläche trotzdem zu einem attraktiven Standort ausbauen zu können wurde die Idee eines Themenparks ins Leben gerufen. Der Park soll Aspekte der Altlastensanierung und der alternativen Energiegewinnung durch spielerische Installationen vermitteln, aber auch reale energietechnische Anlagen beinhalten. Eingebettet in ein umfangreiches Gestaltungskonzept kann sich der Besucher hier in angenehmer Atmosphäre über generelle und spezielle Aspekte zu den Themen Umwelt und alternative Energien informieren.

Auch die Oberflächengestaltung ist im Konzept eng mit der Sanierung gekoppelt. Durch zwei über dem Schadensherd angeordneten "Sanierungs-Seen" soll der Park optisch ansprechende Wasserflächen erhalten. Das Wasser der Seen wird dann aktiv, mittels Windkraft mit Sauerstoff angereichert, in den tiefer gelegenen Schadensherd injiziert, um den Abbau der Schadstoffe zu fördern.

Die konsequent alternative Energieversorgung der Sanierungstechnik sieht den Einsatz von Solarstrompumpen vor. Dabei werden die Pumpen von einer Solaranlage mit Strom versorgt und sind nur in Betrieb, wenn die Solaranlage bei Sonneneinstrahlung genug Strom liefert. Dadurch wird ein wechselnder Grundwasserstand erzeugt, der die Grenzphase zwischen Grundwasser und den zum Aufschwimmen neigenden Mineralölkohlenwasserstoffen (MKW) in ständiger Auf- und Abwärtsbewegung hält. Auf diese Weise wird in der Grenzzone ein erhöhter Schadstoffaustrag ermöglicht. Auf eine kostenintensive Fremdstromversorgung kann somit größtenteils verzichtet werden.

Geplant ist zudem der Einsatz von oberflächennaher Geothermie durch Erdwärmesonden und direkte Grundwassernutzung, Windkraft, Solarthermie und Photovoltaik. Diese Anlagen dienen dabei zugleich als Anschauungsobjekte wie auch zur Energieversorgung für die Sanierungseinrichtungen und den Themenpark selbst.

Derzeit liegt dem Grundstücksbesitzer ein Planungsentwurf für die Gestaltung des Themenparks und ein technisches Sanierungskonzept inklusive der alternativen Energieversorgungsanlagen vor. Grundvoraussetzung für die Realisierung des Themenparks ist, dass nicht nur die Errichtung, sondern auch der laufende Betrieb für den Grundstückseigentümer ohne jegliches Kostenrisiko von statten gehen muss. Ebenso ist noch vor Wiederaufnahme der Sanierungsmaßnahmen zu klären, ob der Bund dem Eigentümer die Kosten für die Altlastensanierung bei Anwendung der erwähnten neuen Sanierungsmethode im Rahmen der im Kaufvertrag vertraglich vereinbarten Altlastenregelung erstattet. Sollte dies nicht der Fall sein, kann die erwähnte neue Sanierungsmethode nicht angewandt werden.
Tipps
  • Zwingend zu beteiligende Stellen:örtl. Genehmigungsbehörden (WWA bzw. UWA oder Kreisverwaltungsbehörde)
  • Grundstückseigentümer
  • evtl. in der Nachsorgepflicht stehende Einrichtungen
  • potentielle Nachnutzer
Stolpersteine
  • Solche Vorhaben sind nur unter vorab geklärten Finanzierungsmodellen realisierbar

Beispiel gemeldet:05/2012 

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