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Erste Kommune als "Gestalter im Team Energiewende Bayern" ausgezeichnet

Fuchstal bringt seit Jahren mit großem Engagement und als beispielhafter Vorreiter die dezentrale Energiewende erfolgreich voran. Hierfür wurde die Gemeinde nun ausgezeichnet.

Projektträger: Fuchstal

Projektstandort

Fuchstal

Fuchstal

Kontakt

Gemeinde Fuchstal
Erwin Karg
Erster Bürgermeister
Bahnhofstraße 1
86925 Fuchstal
Tel: (08243) 9699-0
buergermeister[at]fuchstal.de

Nutzen und Kosten

besonders wirkungsvoll – hoher Nutzen für die Umwelt

Einsparungen: CO2-Einsparung: 27.153 t / Jahr

Nutzen: Es werden 17.016 t CO2 (=25 Millionen kWh Strom) aus Windenergie, 9.208 t CO2 aus Photovoltaik (= 15 Millionen kWh) eingespart, Zudem werden aufgrund der genutzten thermischen Energie 929 t CO2 aus fossilem Heizöl ersetzt.
Fotos
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Beschreibung

Auslöser
Die Gemeinde schätzt die hervorragende Landschaft und legt viel Wert auf das menschliche Miteinander. Von den Bürgerinnen und Bürgern im Arbeitskreis Energie und der Gemeinde Fuchstal werden sehr engagiert vielfältige und innovative Maßnahmen für Energiewende und Klimaschutz verfolgt. Im Jahr 2012 begann Fuchstal mögliche Windenergiestandorte zu untersuchen und in der Folge zu realisieren. In den Ortsteilen Leeder und Asch wird seit Jahren ein Nahwärmenetz aufgebaut. Zusätzlich will die Gemeinde verstärkt Synergieeffekte nutzen und hat dazu im Jahr 2019 das dreijährige Projekt Energiezukunft ins Leben gerufen.
Durchführung
Die Gemeinde Fuchstal mit ihren knapp 4.000 Einwohner erzeugt erneuerbare Energie aus Photovoltaik, Windenergie und Biogas. Stromseitig übertrifft dies den Verbrauch der Gemeinde deutlich und führt mit der erwirtschafteten Wertschöpfung dem Gemeindehaushalt etwa vier Millionen Euro jährlich zu. Davon bleiben 0,9 Millionen in der Gemeinde Fuchstal.

Bioenergie für die Wärmeversorgung

In den Ortsteilen Leeder und Asch mit ihren rund 3.300 Einwohnern und etwa 1.000 Haushalten werden 130 Gebäude mit Nahwärme aus Biomasse versorgt. Darüber hinaus werden in Fuchstal viele dezentrale Holzheizungen zur Wärmebereitstellung genutzt. So trägt Biomasse aus einem Biogas-BHKW, einem Holzpelletwerk und vielen dezentralen Pellet- und Hackschnitzel- heizungen sowie Scheitholzkesseln mit 64 % zur Deckung des Wärmebedarfs bei.

Stromerzeugung weit über Stromverbrauch

Neben der Stromerzeugung aus dem Biogas-BHKW, kommt weiterer Strom aus den kommunalen Windenergie- und Photovoltaik-Anlagen.
Die vier Windenergieanlagen der Bürgerwindkraft Fuchstal wurden im Jahr 2016 in Betrieb genommen. Die Standorterkundung erfolgte 2012 noch gemeinsam mit der Nachbarkommune. Dazu wurde ein Standortsicherungsvertrag mit den Bayerischen Staatsforsten geschlossen. Die Ausweisung von Konzentrationsflächen wurde im Oktober 2014 genehmigt. Aufgrund der Ende 2014 in Kraft getretenen 10 H-Regelung wurden zunächst vier Standorte entwickelt, die den Mindestabstand zur vorhandenen Bebauung einhalten. Das besondere an den Windkraftanlagen ist, dass die Kommune von Anfang an alles selbst in die Hand nahm. Damit die Gemeindebürger sich beteiligen konnten, wurde die Bürgerwindkraft Fuchstal GmbH & Co. KG ins Leben gerufen. Die Gemeinde ist finanziell beteiligt und hat zudem die Geschäftsführung inne.

Auch eine Photovoltaik-Freiflächenanlage von 1,2 MW ist in kommunaler Hand. Zudem sind alle kommunalen Gebäude mit Photovoltaikanlagen ausgestattet. Derzeit plant die Gemeinde drei weitere Windenergieanlagen sowie eine Erweiterung der Freiflächen-Photovoltaik. Zudem soll die Fläche unter den Modulen landwirtschaftlich genutzt werden.

Insgesamt erzeugt die Kommune auf diese Weise bereits 40 Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr, der Verbrauch liegt bei etwa 24 Millionen.

Energiezukunft setzt auf Sektorenkopplung

Begleitet vom bifa-Umweltinstitut und dem Ingenieurbüro Sing hat die Gemeinde im Jahr 2019 das ehrgeizige Projekt „Energiezukunft“ gestartet. Durch die vorhandenen Erneuerbare-Energien-Anlagen sollen Synergieeffekte entstehen:

- 5.000 m³ großer Wärmetopf als Pufferspeicher
- 3,35 MW-Batteriespeicher mit 5,8 MW Leistung
- Power-to-Heat-Anlage

Damit soll in Zukunft im Sommer die überschüssige Abwärme des Biogas-BHKWs in einen zentralen Saison-Speicher abgeführt werden, um dann in der kalten Jahreszeit als weitere Wärmequelle zu dienen. Überschüssiger Strom aus den Windenergie- und Photovoltaik-Anlagen kann in der Batterie gespeichert oder in Wärme umgewandelt werden. Der Batteriespeicher kann Regelleistung bereitstellen oder z.B. für den Betrieb von Wärmepumpen vor Ort für Gebäude außerhalb des Nahwärmenetzes genutzt werden. Das alles wird mit einem intelligenten Leitsystem aufeinander abgestimmt. Das dreijährige Projekt wird vom Bundesumweltministerium gefördert.

Zudem beteiligt sich Fuchstal mit dem Projekt HyStarter an der Umwandlung von Strom in Wasserstoff zum Antrieb von Brennstoffzellen.

Vielfältiges weiteres Engagement

Darüber hinaus ist die Gemeinde auch Regionalstrom-Vermarkter und Betreiber von E-Ladesäulen. Mit dem kommunalen Energiemanagement werden Energiebedarf und Energiekosten der eigenen Liegenschaften gesenkt. Die Einwohner können von der angebotenen Energieberatung Gebrauch machen.

Hinter dem umfassenden Engagement steht der Wille, die CO2-Emissionen konsequent zu senken und mit dem Aufbau einer zukunftsfähigen Energieerzeugung aus regional verfügbaren Energieträgern die heimische Wertschöpfung zu stärken.
Zitate
Manchmal scheint es einfacher, in Bayern ein Atomkraftwerk als eine Windenergieanlage bauen zu wollen. (Erwin Karg, 1. Bürgermeister)
Tipps
  • Langer Atem und kompetente Partner sind von Vorteil, manchmal braucht man auch "eine Schulter zum Ausweinen".
Stolpersteine
  • Das derzeitige EEG macht für viele Erneuerbare-Energien-Projekte eine wirtschaftliche Umsetzung schwierig. So wird selbst bei Eigenversorgung 100 % EEG-Umlage fällig, wenn die räumliche Entfernung zu groß wird. Andererseits werden EE-Anlagen z.B. durch die 10 H-Regelung verstärkt in den Außenbereich gedrängt.
Auszeichnungen
  • 01/2020: Bioenergie-Kommune 2019
    verliehen von: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft
  • 07/2020: Gestalter der Energiewende, erste ausgezeichnete Kommune im Team Energiewende Bayern
    verliehen von: Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie

Beispiel gemeldet:09/2020 

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