Kontrast Gebärdensprachvideo Leichte Sprache Informationen zur Schriftgröße

Ausgezeichnet – Energieeffizienzkurs für Berufsschüler

Berufsschüler/Azubis aller Berufsrichtungen erhalten Grundbildung in Energieeffizienz, die sie befähigt Schwachstellen im Betrieb zu lokalisieren und berechnete Lösungsvorschläge zu unterbreiten.

Projektträger: Stadt Mindelheim

Projektstandort

Mindelheim

Mindelheim_georeferenzierung

Kontakt

Staatliche Berufsschule Mindelheim
Karl Geller
Fachbetreuer Fahrzeugtechnik, Umweltbeauftragter
Westernacher Str. 5
87719 Mindelheim
Tel: (08261) 7620-0
karl.geller[at]bsmn.de

Nutzen und Kosten

besonders wirkungsvoll – hoher Nutzen für die Umwelt
Das Projekt ist Energiebildung für Staatsbürger und schafft den mündigen Konsumenten.

Einsparungen: CO2-Einsparung: je nach Unternehmen 20 - 40 %
  Energieeinsparung: je nach Unternehmen 20 - 40 %
  Kosteneinsparung: je nach Unternehmen 20 - 40 %

Nutzen: Die Quantifizierung ist bei einer Multiplikatorenschulung schwierig. Die Schüler tragen die Ideen in ihre Ausbildungsbetriebe und später in weitere Unternehmen, deren Ausgangslage ganz verschieden ist. Erfahrene Energieberater garantieren aber fast bei jedem Unternehmen - auch relativ jungen/neu erstellten - 20 bis 40 % der momentanen Energiekosten einsparen zu können.

Kosten: Weitere Angaben: - abhängig vom Umfang des Einsatzes von Energieberatern - Kosten für Kursmaterialien (abhängig davon, welche Berufsgruppen an der Schule ausgebildet werden)
Fotos
  • Die Schüler im praktischen Umgang mit energieeffizienter Beleuchtung. (Quelle: Energie-Atlas Bayern)
  • Schüler beim Schulhausrundgang mit Profimessgeräten. (Quelle: Energie-Atlas Bayern)
  • So sehen Sieger aus: Gruppenfoto der Berufsschüler und Verantwortlichen aus Mindelheim am Ende der Preisverleihung zum Deutschen Klimapreis 2016. (Quelle: Energie-Atlas Bayern)
  • Die Gewinner des Deutschen Klimapreises 2016 der Berufsschule Mindelheim mit Bundespräsident Joachim Gauck und dessen Lebensgefährtin. (Quelle: Energie-Atlas Bayern)
Klicken Sie auf ein Bild
(insgesamt 4 Bilder)

Beschreibung

Auslöser
Die IHK Schwaben wandte sich an die Regierung von Schwaben mit der Bitte, ob Berufsschulen nicht mehr für das Problembewusstsein bei Jugendlichen im Bereich Energieeffizienz tun könnten. Daraus entstand nach eingehender Diskussion von IHK und Berufsschule Mindelheim dieses Pilotprojekt, das vom Kultusministerium unterstützt wird und nach einer dreijährigen Erprobungsphase an alle Berufsschulen Bayerns transferiert werden soll.
Durchführung
Ziel der Kurse ist es, junge Berufstätige zu befähigen:
1. unnötige Energieverschwendung in Ihrem Betrieb, in Ihren Vereinen und natürlich auch zuhause zu erkennen und
2. durch eine Beratung eine ungefähre Lösung incl. der Kosten und Einsparungen vorschlagen zu können;
3. Ansprechpartner für professionelle Energieberater zu sein und deren Vorschläge dann im Betrieb umsetzen zu können.

Gerade der letzte Punkt fehlt laut IHK auf breiter Front in den Betrieben, sodass Beratungen sehr oft ins Leere laufen, bei Neuanschaffungen und Betriebsänderungen nicht auf die Folgekosten im Energiebereich geachtet wird und so häufig hohe Verluste entstehen, die völlig unnötig sind und im schlimmsten Fall den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens gefährden. Ziel unserer Bemühungen ist demnach nicht der Spezialist, sondern die auf dem Energiesektor sensibilisierte Fachkraft und der mündige Konsument.
Nachdem sich IHK, vertreten durch deren professionelle Energieberater und Berufsschule nach eingehender, fruchtbarer Diskussion auf die vorläufigen Inhalte des Kurses geeinigt hatten, wurde diese den Schülern vorgestellt, die eindeutig positiv darauf reagierten.

Das Kultusministerium erteilte daraufhin den Auftrag, innerhalb von drei Jahren ein Kurskonzept zu erstellen, das an jeder bayerischen Berufsschule für alle Ausbildungsberufe so oder in ähnlicher Weise durchführbar ist und dessen Inhalte zukünftig zu mindestens 20 bis 30 % in normale Lehrpläne integriert werden kann.

Öffentlichkeitsarbeit:
Das Projekt wird über diverse Medien und das Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) sowie die Lehrerakademie Dillingen multipliziert.

Besonderheit:
Der Kurs stellt in dieser Form ein Novum in der Bildungslandschaft dar, weil es für diese Schülerklientel und in diesem Umfang bundesweit nichts Vergleichbares gibt.
Wir fördern damit Schlüsselqualifikationen in mehrfacher Hinsicht:
Die Schüler unterschiedlicher Klassen, Altersstufen und Ausbildungsberufe müssen - wie im Betrieb - beim Thema Energieberatung alle Aspekte abdecken und miteinander kommunizieren. Dies beginnt bei der gemeinsamen Informationsbeschaffung (zum Beispiel von der physikalischen Funktion von Energiequellen bis zu Fördertöpfen), geht weiter bei der Auswertung von zum Teil selbst gesammelten Daten und endet bei gemeinsamen Planungen bzw. Lösungen.

In der 11. Einheit übernehmen die Schüler Rollen realer Entscheidungsträger und erhalten die Aufgabe als Gemeinderatsmitglieder in Sitzungen Entscheidungen zu treffen, die ihre Gemeinde energieautark machen. Dies geschieht anhand eines von unseren Asylbewerberklassen gebauten Energiespardorfs. Hier werden das gesamte Spektrum des Gelernten und die Beratungskompetenz miteinander angewandt.

Die Kursteilnehmer sind in das Projekt in mehrfacher Hinsicht bei der Planung und Durchführung einbezogen:
a) Wir haben nicht die Lösung - wir suchen gemeinsam nach möglichen Lösungen, die für unterschiedliche Betriebe und deren Standorte auch unterschiedlich sein können, ja sogar sein müssen.

b) Die Schüler sind über den Pilotcharakter des Kurses voll informiert und deshalb Teil des Entwicklungsteams. Ihre Beiträge und Anregungen fließen direkt in die Organisation und die Durchführung der Kursstunden ein, weil nach jeder Kurseinheit bewusst darüber reflektiert wird. Ein Gesamtfragebogen am Ende des Kurses ergänzt diese mündlichen Abfragen. So wurden z. B. gewisse Lehr-Einheiten durch Schülerbeiträge wesentlich praxisbezogener gestaltet. Dass die Kursunterlagen nun auch zuhause am Computer abrufbar sind, um bei Beratungen auf diese zurückgreifen zu können, verdanken wir einer Idee eines Kursteilnehmers. Selbst die Gestaltung der Prüfung wird von ihnen mitbestimmt, soll diese doch einerseits machbar sein, andererseits aber auch eine Wertigkeit besitzen. Bewerbungschancen sind übrigens ein sehr häufig genannter Grund, warum die Schüler am Kurs teilnehmen. Sie sehen darin ein weiteres berufliches Standbein. Deshalb werden

c) Messungen zum Beispiel mit dem Strommessgerät oder der Wärmebildkamera von den Schülern selbst durchgeführt, die Schlussfolgerungen selbst gezogen.

Schließlich werden wir auch durch die Berichte der Teilnehmer bestärkt, was sich in Ihrem konkreten Umfeld durch den Kurs verändert hat. Diese zeugen davon, dass Energieverbräuche nun klar wahrgenommen und Schwachstellen erkannt und beseitigt werden.

Teilnahme:
Über 40 Schüler aus ganz unterschiedlichen Klassen und 3 Jahrgangsstufen (Nutzfahrzeugmechatroniker, Land- und Baumaschinenmechaniker, Berufskraftfahrer, Techniker, Einzelhandelskauffrauen) haben nach dem ersten Jahr die Abschlussprüfung mit Zertifikat bestanden. Die Zahl wäre noch höher gewesen, hätten nicht manche Teilnehmer bereits aufgrund guter Schulleistungen vorzeitig die Lehre beendet. Es wurden insgesamt drei separate Kurse a 12 Abende und einer 4-stündigen Exkursion in einen vorbildlichen Betrieb entsprechend der Blockbeschulung an unserer Schule angeboten. In 2015 besuchen 68 Teilnehmer aus nur einer Jahrgangsstufe (!!!) die 3 Kurse; ein zusätzlicher 4. Kurs wurde für die Technikerklasse eingerichtet, die im Rahmen ihres Englandaufenthalts Energieberatungen an der englischen Partnerschule durchführen soll.

Zeitplan:
Das Projekt ist vom Kultusministerium auf drei Jahre angelegt und soll dann an alle anderen Berufsschulen Bayerns exportiert werden

Weitere Informationen zum Projekt und zum Stoffplan des Kurses finden Sie auf der verlinkten Internetseite (siehe "Links und Downloads") oder können beim Ansprechpartner erfragt werden.
Zitate
"Wir brauchen eine neue Generation junger Leute, die versteht, dass Energieeffizienz eine Standortfrage für unsere Unternehmen ist und entsprechend agiert!" (ehemaliger Leiter des Referats Innovation und Umwelt bei der IHK Schwaben)
"Ich lerne hier etwas, was ich nicht nur im Betrieb, sondern auch zuhause brauchen kann!" (angehender Berufskraftfahrer)
"Meinen Elektroheizer hab' ich gleich wieder ausgestellt, als ich gemessen hatte, was der Strom zieht!" (Teilnehmer)
Tipps
  • Die Zusammenarbeit mit professionellen Energieberatern war für die Entwicklung des Kurses immens wichtig.
Stolpersteine
  • Schüler mit Tagesunterricht haben aufgrund der fehlenden Verkehrsmittel schlechte Karten, einen Abendkurs in der Länge zu besuchen.
Auszeichnungen
  • 03/2015: Prämierte Idee beim Allgäu-Ideenwettbewerb
    verliehen von: Allgäu GmbH - Neue Ideen fürs Allgäu
  • 06/2016: Deutscher Klimapreis
    verliehen von: Allianz Umweltstiftung

Zurück zu Übersicht