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Senioren helfen Schülern beim Energiesparen

An der Grund- und Mittelschule Aitrachtal arbeiten seit 2008 Senioren ehrenamtlich mit Schülern, um Energie zu sparen und begreifbar zu machen. Die Einsparung betragen bisher 70.000 €.

Projektstandort

Mengkofen

Mengkofen_georeferenzierung

Kontakt

Richard Baumgartner
Projektbetreuer des Schulprojektes
Raiffeisenstraße 14
84152 Mengkofen
Tel: (08733) 1095
Richard-Baumgartner[at]t-online.de

Nutzen und Kosten

besonders wirkungsvoll – hoher Nutzen für die Umwelt
Durch die Schüler wird nachhaltiger, ressourcenschonender Umgang gelebt.
besonders kostengünstig – mit wenig Kapitaleinsatz machbar
Die Einsparungen werden durch Verhaltensänderungen erzielt.

Einsparungen: CO2-Einsparung: beim Strom 11 t, dies entspricht 40 % pro Jahr
  Energieeinsparung: beim Strom 25.800 kWh, dies entspricht 40 % pro Jahr
  Kosteneinsparung: Strom und Heizung innerhalb 8 Jahren ca 70.000 €

Nutzen: Zusätzlicher Nutzen: Nachhaltige Umwelterziehung der Schüler und Pflege des Miteinanders der Generationen

Kosten: Gesamtkosten: 7.000 Euro
  Weitere Angaben: Durch die Schüler wurden rund 1.500 h und die projektbegleitenden Senioren rund 1.200 h aufgewendet. Bei den Kosten sind Ausgaben für Bausätze und Exkursionen enthalten.
Fotos
  • Die Modelle für Solarenergie. (Quelle: Energie-Atlas Bayern)
  • Blick auf die Energieecke. (Quelle: Energie-Atlas Bayern)
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(insgesamt 2 Bilder)

Beschreibung

Auslöser
Ein Gespräch Ende 2007 zwischen der Schulleiterin Brigitte Vogel und dem Projektbetreuer Richard Baumgartner zu Themen der nachhaltigen Erziehung der Kinder in Bezug auf Natur- und Umweltthemen führte zur Projektidee.
Durchführung
Seit Februar 2008 arbeiten interessierte Schüler der offenen Ganztagesschule mit Senioren an dem Schulprojekt, das im Zeichen der Energiewende Impulse setzt.

Das Zusammenwirken zwischen Umweltbelastung, Energieverbrauch und Kosten wird dabei in einem ersten Schritt ermittelt. Darüber hinaus lernen die Schüler, Verantwortung für sich und ihre Umwelt zu übernehmen sowie übertragene Aufgaben längerfristig zu erledigen. Ein weiteres Ziel ist es, jugendliche Neugierde mit der Lebenserfahrung und dem Wissen der Senioren zu verbinden.
Dazu erhielten die projektbeteiligten Schüler zunächst eine theoretische Einführung zu den Begriffen Energie, Energiegewinnung, Verbrauch, Verbrauchsmessung, Schadstoffbelastung und Einsparmöglichkeiten. Dies wurde an Beispielen aus dem Schul- und Haushaltsbereich praxisnah vermittelt. Eine Verbrauchsanalyse des gesamten Schulgebäudes schloss sich an. Mit den Schülern wurden Messungen und Aufzeichnungen in allen Klassenzimmern, Fachräumen bis hin zum Schulleiterbüro durchgeführt. Der Hausmeister unterstützte die Schüler bei der monatlichen Ablesung der Zählerstände. Die Verbrauchswerte von Heizung und Strom werden seitdem laufend grafisch dargestellt.

Aus den Erkenntnissen konnten Checklisten mit Einsparregeln entwickelt werden. Zur Umsetzung dieser sind in den Klassen 2 bis 9 jeweils zwei "Energieexperten" ausgebildet worden, die auch für die Regeleinhaltung verantwortlich sind.

Ist erneuerbare Energie "begreifbar"?

Nach einer Exkursion zum "Energie-Erlebnis-Haus" im oberösterreichischen Wels entwickelte das Projektteam Ideen zur Gestaltung einer "Energieecke" und zu Experimenten mit den erneuerbaren Energieträgern Wind, Sonne und Wasser. Hier haben nun alle Schüler und Besucher Gelegenheit, erneuerbare Energie zu (be-)greifen. Bausätze bilden dafür die Basis. Ein Experimentierset für Photovoltaik wurde für den PCB-Unterricht (PCB = Physik, Chemie, Biologie) entwickelt.

Wie sparen Schüler mit ihren Eltern?

Seit 2014 sind die Schüler auch daran, zu Hause Energie zu sparen und damit Umweltschutz in der eigenen Familie zu leben. Schüler und Eltern schließen dabei eine "Win-Win-Vereinbarung": Während die Schüler ihren Eltern Regeln und Maßnahmen zur Verbrauchsreduzierung näher bringen und diese auch weitgehend eigenständig umsetzen, verpflichten sich die Eltern, die Einsparungen "fifty-fifty" mit ihren Kindern zu teilen. An diesem Projekt beteiligen sich Schüler der Klassen 3 bis 9. In mehreren Unterrichtstunden wurden sie von den Senioren dafür qualifiziert. "Was kostet es, ein Ei zu kochen und wird dabei mit dem Eierkocher oder dem Kochtopf mehr Energie verbraucht?" war dazu eines der Praxisbeispiele. Dass 1 Watt im Standby-Verbrauch jährliche Stromkosten von rund 2 € verursacht, ist für die Schüler zur Faustformel geworden. Sie sind außerdem in der Lage, mit Strommessgeräten nach "Energiefressern" zu suchen.

Was hat das Projekt bisher bewirkt?

An der Schule ist zwischenzeitlich Energiesparen ein fester Begriff, an dem Schüler und Lehrer aktiv beteiligt sind. Die nachhaltige Projektarbeit hat bewirkt, dass in acht Jahren der Stromverbrauch an der Schule um knapp 40 % und der Heizungsbedarf um durchschnittlich 24 % reduziert werden konnte. Die Einsparungen summieren sich auf rund 70.000 €. Die entstandenen Projektkosten betragen rund 7.000 €. Das bedeutet für den Sachaufwandsträger deutliche finanzielle Vorteile. Durch die Schüler wurden bisher geschätzt 1.600 h und von den Senioren 1.400 h aufgewendet.
Das Gesamtprojekt stärkt das nachhaltige Umweltverhalten aller Beteiligter und übertragene Aufgaben fördern das Verantwortungsbewusstsein der Schüler. Mögliche Freiräume für eigene Ideen und transparente Ergebnisse beleben spürbar die Motivation der Beteiligten.

Wie wollen wir unser Projekt weiterführen?

Energie sparen und nachhaltige Bildung für Umweltschutz erfordert Denken in größeren Zeitspannen. Gerade das Schüler-Elternprojekt bedarf eines umfangreichen zeitlichen Rahmens bis messbare Erfolge erkennbar sind. Das bedeutet also eine besondere Herausforderung für die Betreuer, zur Verbrauchsreduzierung zu aktivieren und zu begeistern. Dazu werden unterschiedliche Kurzvideos zu Praxisbeispielen erstellt, die an der Videowand der Energieecke präsentiert werden.
Auch Schüler sollen als Energieberater tätig werden. Dazu bilden die Senioren interessierte Schüler der Klassen 6 bis 8 aus. Ziel dabei ist es, dass Schüler beispielgebend für Energiethemen öffentlich z. B. bei Schulfesten und Infoständen der Schule tätig werden. Ein gemeinsam entwickelter Flyer bildet hierzu die Grundlage.

Wie machen wir das Projekt bekannt?

Wir sind bestrebt, unsere vorbildhafte Initiative auch flächendeckend bekannt zu machen und damit Nachahmer zu motivieren. Das geschieht neben einer aktiven Presse- und Medienarbeit z. B. durch Präsentation der Projektarbeit und der Ergebnisse auf einer Gewerbeschau, einem Kreisseniorentag, am Tag der Offenen Tür in der Schule und in einem Baumarkt.
Darüber hinaus wurde unsere Arbeit bereits mehrfach bei Seminaren zur Lehrerfortbildung, als Beispielgeber bei einer EFI-Schulung (Erfahrungswissen für Initiativen) und im Rahmen eines Technikkurses für Gymnasiasten vorgestellt. Auch Rundfunk und Fernsehen haben über unsere Aktivitäten mehrfach berichtet.

Welche Schlussfolgerung ziehen wir?

Aus der urspürglichen Idee entwickelte sich ein engagiertes Team, das von ehrenamtlichen Senioren an der Schule geführt wird. Das Hauptaugenmerkt beruht auf den Aspekten des Energiesparens durch Sensibilisierung und nachhaltiges Verhalten, ohne dabei auf Angenehmes verzichten zu müssen.
Schüler bringen mittels Feedbackbögen verstärkt eigene Ideen ein und setzen diese in Arbeitsgruppen um. Sie verpflichten sich zu konkreten Aufgaben. Die Motivation wird durch eigenständiges Messen und Arbeiten gefördert. Neue Lehrmittel für den PCB-Unterricht entstehen.
Das Projekt hatte und hat zur Folge, dass der Physikraum wieder in den Fokus als Lehrsaal gerückt ist und Anschaffungen zur Arbeit im naturwissenschaftlichen Bereich getätigt wurden. Ausflüge mit den "Energieexperten", die bisher unternommen wurden, sind Formen der Wissensvermittlung von höchstem pädagogischem Wert.
Zitate
"Senioren können viel geben. Deshalb nutzen wir ihr breites Wissen vielfältig." (Schulleiterin Brigitte Vogel)
"Wir sparen Energie – wann fangen Sie an?" (Slogan der Jungenergieberater der Klassen 7 bis 9)
"Energiesparen lohnt sich – man muss es aber auch leben." (Projektbegleiter Richard Baumgartner)
Tipps
  • Alle tangierenden Stellen (Hausmeister, Lehrkräfte, Schulleitung, Sachaufwandsträger, Elternbeirat) frühzeitig über Vorgehensweise und Ziele informieren.
  • Transparenz über Ist-Stand und Entwicklung des Energieverbrauches herstellen.
  • Immer wieder neue, "spannende" Aspekte in die Projektarbeit einbringen.
Stolpersteine
  • Starker Wechsel bei teilnehmenden Schülern
Auszeichnungen
  • 05/2013: Energiesparmeister Bayern
    verliehen von: Schulwettbewerb - co2online
  • 10/2013: Bürgerenergiepreis Niederbayern
    verliehen von: Regierung von Niederbayern und Bayernwerk AG
  • 10/2014: Bayerischer Energiepreis 2014
    verliehen von: Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie
  • 12/2014: Besondere außerunterrichtliche Leistungen
    verliehen von: Regierung von Niederbayern
  • 05/2015: Deutscher Klimapreis 2015
    verliehen von: Allianz Umweltstiftung
  • 08/2015: Gestalter der Energiewende
    verliehen von: Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie

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