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Wärmespeicher statt Kältefalle - erste solarbeheizte Kirche Deutschlands eingeweiht

Generalsanierung senkt Wärmebedarf drastisch und sorgt für rein regenerative Energieversorgung

Projektstandort

Gräfendorf

Gräfendorf_georeferenzierung

Kontakt

Pfarrer Rüb
Tel: (09357) 261
peter.rueb[at]bistum-wuerzburg.de

Nutzen und Kosten

besonders wirkungsvoll – hoher Nutzen für die Umwelt
Bisherige CO2-Emissionen von 30 Tonnen pro Jahr auf Null gesenkt! 10.000 Liter Heizöl eingespart!
besonders kostengünstig – mit wenig Kapitaleinsatz machbar
Sanierung günstiger als andernfalls notwendiger Neubau. Durch Heizkosteneinsparung nach 10 Jahren amortisiert.

Einsparungen: CO2-Einsparung: 30 t / Jahr
  Energieeinsparung: 10.000 l Heizöl / Jahr*
  Kosteneinsparung: ca. 7.500

Nutzen: * stattdessen nur mehr 4.500 kWh Strom für die Wärmepumpe, der durch PV-Strom CO2-frei zur Verfügung steht. Desweiteren: niedrigste Betriebskosten, angenehmes Raumklima (auch im Sommer!), Innenrenovierung wird erst viel später wieder fällig, da durch den Wegfall der Luftheizung auch weniger Staub anfällt

Kosten: Gesamtkosten: 160.000 Euro
  Weitere Angaben: Mehraufwendungen für die energetische Sanierung, Solartechnik und Planungsmehraufwand. Die Kosten der Gesamtsanierung betrugen 800.000 Euro..

Förderung: Zuschuss: 50.000 Euro
  Fördergeber: Deutsche Bundestiftung Umwelt (DBU)
Fotos
  • Blick ins Kircheninnere nach der Sanierung
  • Dämmungsarbeiten am Kirchendach
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(insgesamt 2 Bilder)

Beschreibung

Auslöser
Die katholische Kirche Gräfendorf wurde 1966 erbaut und ist mit den typischen Mängeln aus dieser Zeit behaftet. Mit 50 cm starken Ziegelwänden und Stahlbetonaussteifung errichtet, wurde das Sakralgebäude nur zeitweise mittels Luftheizung erwärmt. Aufgrund des nur kurzfristig aufgeheizten Luftvolumens entstanden große Temperaturunterschiede an den noch kalten Außenwänden und Fenstern, die kalte Fallwinde verursachten. Die Folgen: ein unbehagliches Raumklima aufgrund von Kältestrahlung und Zugluft, hohe Heizkosten und eine verstimmte Orgel.

Entgegen den ersten Annahmen hat das abgeschlossene Planungsvorhaben ergeben, dass der Erhalt der Kirche inklusive des Inventars sehr viel wirtschaftlicher ist, als ein ersatzweise entstehender, deutlich kleinerer und den herkömmlichen Energiestandards entsprechender Neubau
Durchführung
Im unterfränkischen Gräfendorf wurde am 4.Oktober 2011 die Schutzengelkirche als Solarkirche eingeweiht. Die Kirche wird nun vollständig solar beheizt.

Mit Hilfe eines ausgeklügelten Systems aus Sonnenkollektoren, solarem Wasserspeicher, Luftkollektoren und Wärmepumpe liefert alleine die Sonne die Energie für die Erwärmung der Kirche. Mit neuer Wärmedämmung und einer Niedertemperatur-Wandstrahlungsheizung konnte der Wärmebedarf drastisch gesenkt werden. Der Strombedarf für die Wärmepumpe wird bilanziell durch die kircheneigene Photovoltaikanlage gedeckt.

So konnten die CO2-Emissionen von bisher 30 Tonnen jährlich auf Null gesenkt werden. Benötigte die Kirche vor der Sanierung etwa 10.000 Liter Heizöl jährlich, fallen nun lediglich 4.500 kWh Strom für die Wärmepumpe an. Die Investition von etwa 160.000 Euro, die für die gesamte energetische Sanierung notwendig war, wird in etwa 10 Jahren durch die Heizkostenersparnis amortisiert sein.

Jetzt wird es in der Schutzengelkirche warm und angenehm, ohne dass ein Liter Erdöl verbrannt wird. Grundgedanke: Das Gebäude wandelt sich in einen Energiespeicher. Die spezielle Dämmung verhindert Wärmeabfluss, Kollektoren speisen Sonnenenergie in den Wärmekreislauf ein, auch die Erdwärme wird genutzt durch eine Wärmepumpe. Statt einer Luft- kommt eine Strahlungsheizung mit einer Lüftungsanlage zum Einsatz, die mit beheizten Wänden für ein angenehmes Klima sorgt.

Diese vorbildliche Initiative hat die Deutsche Bundesstiftung Umwelt mit Euro 50.000 unterstützt. Trotz der Unannehmlichkeiten während der Bauphase stehe die Kirchengemeinde voll hinter dem Konzept, weiß Gemeindepfarrer Peter Rüb zu berichten. Viele der heutigen Gottesdienstbesucher haben die Kirche mit viel Engagement erbaut, und bei der Sanierung packten Pfarrer und Gemeindemitglieder tatkräftig mit an. Während des Umbaus wurden die Gottesdienste in der evangelischen Michaeliskirche abgehalten. Anfang November 2009 fand der Gottesdienst noch einmal in der Schutzengelkirche statt. Dass die Hälfte der Fenster schon fehlte, blieb weitgehend unbemerkt - ein erster Erfolg der Dämmmaßnahmen. Die Kirche war auch ohne Fenster deutlich wärmer, als früher an solchen Tagen.

Die Sanierung der Schutzengelkirche in Gräfendorf zeigt, dass auch schwierige Bauobjekte aus der Nachkriegszeit mit vertretbarem finanziellem Aufwand so saniert werden können, dass alleine Sonnenenergie die Heizenergie bereitstellen kann, womit eine Heizung ohne Emissionen realisiert werden kann. Ähnliche Konzepte können auch für Schulen, Feuerwehrhäuser, Museen und andere Bauobjekte angewandt werden, um sie klimaschützend ohne Emissionen zu beheizen.
Auszeichnungen
  • Umweltpreis 2005
    verliehen von: E.ON Bayern

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