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Ernährung

Die Ernährung ist in Deutschland für ungefähr 20 % der Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Der größte Teil der Emissionen entsteht durch Düngemittel in der Landwirtschaft und durch Viehhaltung.

Energie-3-Sprung – was tun?
Eine klimafreundliche und nachhaltige Ernährungsweise ist gar nicht so schwierig, wenn die gewohnten Einkaufsmuster überdacht werden. Fast überall finden wir heute vielfältige Einkaufsstätten, die regionale, saisonale und ökologisch erzeugte Lebensmittel anbieten.

Es ist gut für unser Klima, wenn wir z. B.
etwas weniger Fleisch essen als bisher, aber auf gute Qualität aus der Region achten,
saisonales Obst und frisches Gemüse aus der Region bevorzugen und keine Produkte kaufen, die mit dem Flugzeug transportiert wurden,
zunehmend auch Bioprodukte in den Einkaufskorb packen,
Getränke in Mehrwegverpackungen und von regionalen Produzenten vorziehen und
Lebensmittel nicht in den Müll werfen.
Vorteile / Nutzen – was bringt es?
Dabei nützt eine nachhaltige Ernährungsweise nicht nur dem Klimaschutz, sondern z. B. auch unserer Gesundheit. Weitere Vorteile sind

der Erhalt der biologischen Vielfalt durch Ökolandbau,
die Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe mit zukunftsfähigen Arbeitsplätzen in Landwirtschaft, Produktion und Handel sowie
die Vermeidung zusätzlicher Luft- und Lärmbelastungen durch kurze Transport- und Lieferwege.
Daten / Fakten – wo stehen wir?
In der Erzeugung von Fleisch steckt deutlich mehr Energie als in der Erzeugung pflanzlicher Lebensmittel; in der Erzeugung konventionell produzierter Lebensmittel steckt deutlich mehr Energie als in der Erzeugung entsprechender Bioprodukte. Dies hat starke Auswirkungen auf die Treibhausgasbilanz.

Hierzu einige Daten und Fakten:
Bundesbürger verbrauchen heute etwa 90 kg Fleisch im Jahr. Abzüglich Knochen, Tierfutter etc. landen davon etwa 60 kg auf dem Teller. Der 10-Jahres-Trend ist gleichbleibend. In Europa verzehren beispielsweise Spanier und Dänen mit etwa 80 kg deutlich mehr, Schweden und Finnen dagegen mit etwa 50 kg weniger als wir.

Der Anteil der Flächen mit ökologischer Landwirtschaft an der landwirtschaftlich genutzten Fläche hat sich in Bayern seit 2000 mehr als verdoppelt.
Bayern von 2000 bis 2013: 2,8 % auf 6,8 %
Deutschland von 2000 bis 2013: 3,2 % auf 6,4 %
Der deutsche Markt für Bioprodukte wächst seit vielen Jahren zweistellig und lag in 2013 bei 7,55 Milliarden Euro. Der Anteil am gesamten Lebensmittelmarkt lag damit aber erst bei 3,9 %.
Regional erzeugte Lebensmittel – greifen Sie zu
Mit dem Flugzeug importiertes Frischobst und -gemüse belasten das Klima etwa 80-mal mehr als Schiffstransporte und bis zu 300-mal mehr als regional erzeugtes Obst und Gemüse.

Wird ein Kilo Äpfel mit dem LKW vom Bodensee in die Region München transportiert, dann werden durchschnittlich 80 Gramm CO2 emittiert. Ein Kilo Äpfel aus Italien schlägt mit ungefähr 220 g und eine Lieferung aus Neuseeland (Schiff) mit ca. 510 g CO2 zu Buche. Ware, die mit dem Flugzeug aus Übersee transportiert wird, verursacht jeweils ungefähr 12.000 g CO2 bei 1 kg Erdbeeren und ca. 17.000 g CO2 bei 1 kg Spargel (siehe auch Tabelle in der Galerie unten).

Aber: Ein Apfel aus Deutschland ist nicht immer klimafreundlicher als ein Apfel aus Übersee. Der Grund ist, dass die Lagerung deutscher Äpfel im Kühlhaus viel Energie benötigt. Äpfel aus der Region sind daher nur in der Zeit zwischen September und Mai klimafreundlicher. Oder kaufen Sie doch in den Sommermonaten statt der Äpfel öfter einmal andere Obstsorten, die zu dieser Zeit in Deutschland oder Europa Saison haben.
Ökologisch erzeugte Lebensmittel tragen zum Klimaschutz bei
Ökologischer Pflanzenbau benötigt im Vergleich zum konventionellen Pflanzenbau pro Hektar deutlich weniger Energie und es entstehen pro Hektar entsprechend weniger Treibhausgase. Hauptgrund ist der Verzicht auf den mineralischen Stickstoffdünger. Warum? Das Nitrat aus dem Stickstoffdünger wird im Boden durch Mikroorganismen in Lachgas (N20) umgewandelt (Denitrifikation) und in die Atmosphäre emittiert. So ist die Konzentration von N2O in der Atmosphäre im Vergleich zu vorindustrieller Zeit um etwa 20 Prozent angestiegen. Die klimaschädliche Wirkung von Lachgas ist ca. 300 mal stärker als die von CO2. Aber auch die Emission von CO2 steigt durch den anthropogenen Stickstoffeintrag beträchtlich.

Das Problem der Überdüngung wurde mittlerweile von vielen Landwirten erkannt. Durch die bedarfsgerechte Gabe von Düngemitteln wird in vielen landwirtschaftlichen Betrieben die Emission von Treibhausgasen erheblich reduziert.
Fleisch – zu viel ist nicht gut
Die Viehhaltung ist für 18 % der globalen Treibhausgase verantwortlich. Dies hat folgende Hintergründe:
Die pflanzlichen Futtermittel werden bei der Umwandlung in tierische Produkte nur ineffektiv genutzt. Durch diese so genannten "Veredelungsverluste" gehen 65 % bis 90 % der Futter-Energie verloren.
Wiederkäuer (Rinder, Schafe und Ziegen) produzieren Klimagase im Verdauungstrakt (Methan und Lachgas). Methan hat eine über 20-fach stärkere Klimawirkung als Kohlendioxid (CO2).
Die Produktion von Rindfleisch ist dreimal klimaschädlicher als diejenige von Schweine- oder Geflügelfleisch. Rund 200 Liter Methan stößt eine Milchkuh täglich aus. Damit sind die Abgase einer Milchkuh in etwa so klimaschädlich wie die eines Kleinwagens, der im Jahr 18.000 Kilometer gefahren wird.
Die Welternährungsorganisation (FAO) schätzt, dass bis zu 50 % der weltweiten Getreideernte an Tiere verfüttert werden.
In Brasilien werden zum Beispiel jedes Jahr große Regenwaldflächen gerodet, um Flächen für Sojaanbau, ein Kraftfutter für Tiere, sowie Weideflächen für Rinder zu schaffen.
Laut UN werden weltweit drei Viertel aller agrarischen Nutzflächen in irgendeiner Weise für die Tierfütterung beansprucht.
Ernährung und Klimaschutz hängen eng zusammen
  • Anteil der Ernährung am Gesamtausstroß von Treibhausgasen in Deutschland (Quelle: Wanderausstellung Lebensmittel: Regional = Gute Wahl des StMUV)
  • Treibhausgas-Emissionen bei tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln (Quelle: Öko-Institut Freiburg/BMBF-Forschungsprojekt Ernährungswende, Diskussionspapier Nr. 7, 2005)
  • Die Vorteile von biologisch erzeugten Lebensmitteln (Quelle: Haas G, Geier U, Schulz DG, Köpke U: Vergleich Konventioneller und Organischer Landbau, Beiträge über Landwirtschaft 73, 401 - 415, 1995)
  • Energieeinsatz und Treibhausgas-Emissionen bei konventionellen und biologischen Lebensmitteln (Quelle: Bockisch FJ et al., FAL, Braunschweig, Sonderheft 211, 2000)
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(insgesamt 6 Bilder)

Links und Downloads

Allgemein
Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF):
Internetseite: "Nachhaltige Ernährung"
Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz (StMUV):
Internetseite: "Nachhaltig konsumieren – Essen und trinken"
Broschüre: "Nachhaltig konsumieren in Bayern"
Rat für Nachhaltige Entwicklung:
Broschüre "Der nachhaltige Warenkorb"
Öko-Institut e.V.:
Arbeitspapier: "Ist gutes Essen wirklich teuer?"
Arbeitsgruppe Nachhaltige Ernährung, Beratungsbüro für ErnährungsÖkologie:
Veröffentlichung "Fünf Dimensionen der Nachhaltigen Ernährung"
Länderinitiative Kernindikatoren (LiKi):
Anteil der Flächen mit ökologischer Landwirtschaft an der landwirtschaftlich genutzten Fläche
Tillmann Lübker:
Internetseite "Rezepte zum Schlemmen aus regionalen und saisonalen Zutaten"

Weniger Treibhausgase produzieren
Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU):
CO2-Rechner
Klimabündnis Köln:
Internetseite "Treibhausgase halbieren - Ernährung"

Ökologische Landwirtschaft
Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU):
Internetseite: "Ökologische Landwirtschaft"

Fleischkonsum
Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz (StMUV):
Internetseite: "Nachhaltig konsumieren – Fleisch & Fisch"
Deutscher Fleischer-Verband e. V.:
Daten und Fakten zum Fleischverzehr

Wasserverbrauch
Vereinigung Deutscher Gewässerschutz e.V.:
Ratgeber Virtuelles Wasser